Ordensschulen bauen unabhängige Kontaktstellen aus © kathbild.at/rupprecht

Eine simple Rückblende auf Zustände der 1950er und 1960er Jahre sei grob fahrlässig, das erklärte der Geschäftsführer der "Vereinigung der Ordensschulen", Rudolf Luftensteiner. Die Ordensschulen leisteten heute hochqualifizierte pädagogische Arbeit.

Angesichts der zahlreichen Missbrauchsfälle gehen die Ordensschulen nun in die Offensive: Der flächendeckende Ausbau der vom jeweiligen Schulerhalter unabhängigen pädagogisch-psychologischen Dienste soll forciert werden, um möglichst niederschwellige "Andockstellen" für Jugendliche und Eltern zu schaffen und so die Prävention von Gewalt und Missbrauch zu stärken. Das kündigte der Geschäftsführer der " Vereinigung der Ordensschulen", Rudolf Luftensteiner, im Gespräch mit Kathpress am Donnerstag, 18. März 2010, am Rande einer Tagung von Leitungsverantwortlichen der österreichischen Ordensschulen in Wien an.

Für das Thema Missbrauch sensibilisieren

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"Die Ordensschulen leisten heute hochqualifizierte pädagogische Arbeit", so Luftensteiner.

An zahlreichen Schulen existierten solche Dienste bereits, so Luftensteiner. Sie seien aktuell insbesondere mit Fragen der Gewalt an den Schulen oder etwa mit dem Problem pornografischen Materials auf Schüler-Handys befasst. Zusätzlich sollen die von unabhängigen Psychologen besetzten Stellen nun für das Missbrauchsthema sensibilisiert werden und die Vernetzung mit anderen Hilfsstellen verbessert werden. Bestehen begründete Verdachtsmomente, so seien diese Stellen selbstverständlich verpflichtet, die Fälle der Schulleitung zu melden. "Und da die Ordensschulen Öffentlichkeitsrecht besitzen, sind sie zugleich verpflichtet, in diesen Fällen die Behörden einzuschalten. Hier gilt für uns 'Null Toleranz'", so Luftensteiner.

Allzu generalisierende Berichterstattung

Auch bei der Tagung der Leitungsverantwortlichen in den Ordensschulen im Wiener Kardinal König-Haus seien die Missbrauchsfälle in den Ordensschulen Thema gewesen. Neben dem Gefühl der Scham den Opfern gegenüber und dem Bekenntnis zu voller Aufklärung sei unter den Verantwortlichen jedoch auch ein großes Unbehagen über eine "allzu generalisierende Berichterstattung" zum Ausdruck gekommen, so Luftensteiner. "Die Ordensschulen leisten heute hochqualifizierte pädagogische Arbeit, eine simple Rückblende auf die pädagogischen Zustände der 1950er und 1960er Jahre ist da grob fahrlässig".

Immer weniger Ordensleute an Schulen tätig

Dass sich die Zustände heute dramatisch von jenen der damaligen Zeit unterscheiden, unter anderem auch darin sichtbar, dass nur mehr sehr wenige Ordensleute an den Schulen tätig sind. So gibt es aktuell nur mehr 23 Direktoren, die einem Orden angehören, fünf davon werden im heurigen Sommer in Pension gehen. Beim Lehrpersonal sei die Quote nicht wesentlich höher, so Luftensteiner. Aktuell besuchen österreichweit rund 70.000 Schüler die 314 katholischen Schulen, 75 Prozent davon sind in der Hand von Orden.

Der Rückgang der Ordensleute an den Schulen stelle die Orden, die rund 30 Prozent der laufenden Kosten der Schulen tragen müssen, jedoch zugleich auch vor gravierende Probleme. So werde sich die Tendenz des Rückgangs von Ordensleuten an den Schulen weiter fortsetzen, was zugleich die Frage aufwerfe, wie man christliche Werte, bewährte Traditionen und positive Rituale auch zukünftig an den Schulen bewahren kann.

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(red/KAP)

18.03.2010

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