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- 30.07.10

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"Es ist gut, dass wir uns versammeln"
© Stephanscom.atNach dem positiven Echo auf die erste Diözesanversammlung soll das Thema "Mission" nun konkreter werden, auch wenn die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahrzehnte die Versammlung unter ein unterwartet schmerzliches Licht gestellt haben, so Kardinal Christoph Schönborn.

Am Freitag, 12. März 2010, berichtet Kardinal Christoph Schönborn, zusammen mit Andrea Geiger, Mitorganisatorin des Prozess "Apostelgeschichte 2010", und Markus Gehlen aus Berlin vom ersten Tag der zweiten Diözesanversammlung.

"Nach der ersten Diözesanversammlung gab es ein großes positives Echo und eine große Spannung für die zweite Versammlung. Jetzt wird es sozusagen konkret. Die Tatsache der Missbrauchsfälle hat die Versammlung nun unter ein unerwartet schmerzliches, aber wohl auch treffendes Thema gestellt. So schmerzlich diese Vorgänge auch sind, die Linie der Bischöfe, dass nur die Wahrheit uns frei machen kann, soll bleiben. Wir müssen das Leid der Opfer ernst nehmen und darauf schauen", so Kardinal Schönborn zu den versammelten Journalisten. Ganz deutlich werde in der Versammlung auch die Hoffnung spürbar.

"Wir sind auf einem guten Weg"

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"Es darf keine Übergrifflichkeiten auf die Freiheit des Anderen geben. Bei Mission geht es um den Respekt vor dem Mitmenschen", so Gehlen.

"Wir freuen uns, dass schon gestern beinahe alle 1.400 angemeldeten Delegierten da waren und damit fast 200 Leute neu hinzu gekommen sind. Beinahe alle 660 Pfarre der Erzdiözese Wien sind vertreten. Gerade in diesen Zeiten ist es gut, dass wir uns versammeln", so Andrea Geiger, vom Team "Apostelgeschichte 2010". Man wolle vom Thema der Versammlung "Wie verkünden wir?" nicht zu sehr abweichen. "Der Grundtenor vieler Teilnehmer ist, ich komme zu dieser Versammlung, auch wenn es mir gerade peinlich ist, zu dieser Kirche zu gehören", berichtet Geiger.

Diese Aussagen sollen helfen, über vieles nachzudenken. "Wir müssen sozusagen vom hohen Ross herunter steigen, wir wissen nicht alles besser in der Kirche. Wir müssen weg vom Belehrenden, hin zum Gewinnenden. Wir möchten unsere Erfahrungen, Hoffnungen teilen und das machen gerade gut 1.100 Delegierte in 45 Arbeitsgruppen über den ganzen 1. Bezirk verteilt. Ich denke, dass wir auf einem guten, sehr ehrlichen Weg sind", so Geiger.

Kirche hat hohen Grad an Verbindlichkeit

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"Zölibat ist kein Grund für sexuellen Missbrauch", so Kardinal Schönborn.

Die Missbrauchsfälle seien auch eine Ansage an die Delegierten, wie Mission nicht aussehen solle, so Markus Gehlen aus Deutschland. Er vertritt Pater Klaus Mertes, der wegen der Missbrauchsfälle am Canisius College in Berlin nicht zur Diözesanversammlung kommen konnte. "Es darf keine Übergrifflichkeiten auf die Freiheit des Anderen geben. Bei Mission geht es um den Respekt vor dem Mitmenschen", so Gehlen.

Auf die Frage von Journalisten, wie die Kirche nun mit den vielen Anfeindungen als Folge der Missbrauchsfälle umgehe, antwortete Kardinal Christoph Schönborn: "Natürlich betreffen die Missbrauchsfälle alle Katholiken, wenn sie sich jetzt aktiv als Kirchenmitglieder outen und deshalb angegriffen werden, besonders die Ordensleute und Priester, die ja auf der Straße erkenntlich sind. Daraus entsteht die Frage - warum wird die Kirche immer als Ganzes gesehen? Das tut denen, die nichts dafür können, besonders weh. Es zeigt aber auch, dass die Kirche eben doch eine Gemeinschaft ist. Die Kirche hat einen hohen Grad an Verbindlichkeit, das spürt man stark. Das ist gut in einer Zeit, in der es in der Gesellschaft immer weniger Verbindlichkeiten gibt."

"Zölibat ist freie Entscheidung"

Ziel sei es, die Ombudsstellen noch besser zu vernetzen und die Zusammenarbeit mit zivilen Opfervereinen zu verbessern. Einen Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch und dem Zölibat wies Kardinal Christoph Schönborn entschieden zurück. "Wenn der Zölibat der Grund für sexuellen Missbrauch ist, dann dürfte es im Rest der Gesellschaft keinen Missbrauch geben." Es gehe vielmehr um die Frage der persönlichen sexuellen Reife und darauf werde man in Zukunft in der Priesterausbildung noch mehr Rücksicht nehmen. "Der Zölibat selbst ist eine freie Entscheidung, niemand wird dazu gezwungen", so der Wiener Erzbischof. Die Kirche habe besonders hohe ethische Ansprüche und an denen werde sie natürlich auch gemessen.

Zukunft der Gemeinden

Am 18. September wird man sich an einem eigenen Tag dem Thema "Gemeinde und Zukunft der Gemeinden" widmen. "Die Zukunft der Gemeinden ist ganz eng mit dem Thema Mission verbunden und doch sind es zwei Stränge, die gesondert behandelt werden sollen. Die Gemeinden stehen in enger Verbindung zu der Zivilgesellschaft. 25 Prozent der Katholiken in Wien haben Migrationshintergrund, genauso trifft auch die Alterspyramide auf uns zu. All diese Punkte bedürfen einer fachlichen Auseinandersetzung", erklärt Kardinal Schönborn.

Weitere Artikel:

Mehr zur Apostelgeschichte 2010 auf Stephanscom.at

(ks)

12.03.2010


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