"Das komplexe Leben ist kein Produkt des Zufalls" ist der Titel eines Interviews mit Kardinal Christoph Schönborn in der neuesten Ausgabe des Nachrichtenmagazins "News" vom Donnerstag, 14. Juli 2005. Es geht im Gespräch um die Diskussion zum Kommentar in der "New York Times" über die Grenzen der Evolutionstheorie. Der Wiener Erzbischof betonte im "News"-Interview zum "Fundamentalismus"-Vorwurf, der gegen ihn jetzt erhoben wird: "Wer das sagt, hat meinen Artikel nicht oder nur ungenau gelesen. Ich habe gesagt, dass in neodarwinistischen Kreisen die Annahme, dass die Evolution ein reiner Zufallsvorgang ist, fast zum 'Dogma' geworden ist. Das, sage ich, steht im Widerspruch zum Glauben aller Religionen, aber auch zur Vernunft."
![]()
|
Auch ein Haus sei das "Produkt der Intelligenz eines Designers, also eines Planers" und kein Zufallsprodukt. "Wenn wir nun ein viel komplexeres Phänomen wie das Leben betrachten, scheint es mir wissenschaftlich unseriös zu sein, dies als Produkt eines Zufalls zu akzeptieren", erklärt der Wiener Erzbischof.
Die Auffassung Darwins "und vieler anderer" sei eine "materialistische Weltanschauung", so der Wiener Erzbischof. Dagegen hätten sich sowohl Johannes Paul II. als auch Benedikt XVI. immer klar ausgesprochen. Das bedeute aber nicht, dass die Evolutionstheorie "als wissenschaftliche Methode innerhalb ihrer Grenzen von den Katholiken generell abgelehnt würde". Der Darwinismus werde seit 1859 intensiv diskutiert, erinnerte Kardinal Schönborn. Mit seinem Beitrag in der "New York Times" habe er erreichen wollen, dass über die Fragen der Grenzen dieser Theorie offen diskutiert werden soll. Es dürfe gegenüber dem orthodoxen Darwinismus kein Diskussionsverbot geben.
![]()
|
Er befasse sich seit 30 Jahren mit diesem Thema, unterstrich Schönborn im "News"-Interview: "Nicht nur ich, sondern auch eine Reihe bedeutender Wissenschaftler kommen zum Schluss, dass die Darwin'sche Theorie der Zufallsmechanik nicht als Generaltheorie für die Entstehung des Lebens und der Arten geeignet ist. Dass sie in beschränktem Ausmaß Gültigkeit hat, schließe ich nicht aus."
Für den Gläubigen sei es im Übrigen "selbstverständlich", dass Gott der Planer des Lebens sei. Schönborn im "News"-Interview: "Unsere Lehre besagt, dass mit der Vernunft aus der Schöpfung auf den Schöpfer geschlossen werden kann. Nur er konnte die Natur in all ihrer Komplexität ordnen".
(red/PEW)