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- 30.07.10

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Tagung analysiert Verbitterung und Vergebung
© Bilderbox.comDie Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien und das Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie stellen bei einer Tagung ein noch junges psychiatrisches Forschungsgebiet vor: Unversöhnlichkeit und Verbitterung als psychische Krankheit.

Mit dem Phänomen von Unversöhnlichkeit und Verbitterung als psychische Krankheit beschäftigt sich am Samstag, 10. Oktober 2008, eine Fachtagung in Wien. Organisiert wird die Tagung, die sich einem noch sehr jungen Gebiet der Psychiatrie widmet, von der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien in Kooperation mit dem Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie.

"Nur sehen, dass es den anderen besser geht"

© http://rpp2009.org
"Wunden heilen durch Vergebung", so Gerl-Falkovitz.

Posttraumatische Verbitterungsstörungen bilden sich infolge von Ereignissen, die Menschen in ihren zentralen Lebensbereichen betreffen, so Raphael Bonelli, Psychotherapeut und Koordinator der Tagung: "Das kann eine Kündigung sein, die nach jahrelanger Tätigkeit am selben Arbeitsplatz erfolgt, die Trennung in einer Partnerschaft oder auch gebrochene Treue". Betroffene fühlten sich häufig ungerecht behandelt "und sehen nur, dass es den anderen besser geht". Aus dem ständigen Hadern mit dem widerfahrenen Schicksal könne sich eine lang anhaltende psychische Krankheit entwickeln.

Loslassen als Lösung

Überwinden könne man Verbitterung nur durch Loslassen, so Bonelli: "Verbitterte wollen die absolute Gerechtigkeit hier und jetzt erleben. Man kommt jedoch erst durch die Erkenntnis weiter, dass diese Gerechtigkeit nicht existiert und alles Erlebte bloß relativ ist." Ein Schwerpunkt der Fachtagung liegt deshalb auf der Vergebung. "Bisher wurde dieser Aspekt in Europa kaum wissenschaftlich behandelt, vermutlich aus Angst, dass der Begriff automatisch Religion impliziert", so Bonelli. Verzeihung sei jedoch in erster Linie ein psychischer Akt und erst danach ein religiöses Phänomen.

Religiöse Grundierung

Zu den Referenten der Tagung an der Technischen Universität Wien zählen unter anderem der Berliner Psychiater Michael Linden, der Marburger Religionswissenschaftler und Psychotherapeut Sebastian Murken und die Dresdener Philosophin Hanna Barbara Gerl-Falkovitz. Sie betont, dass Vergebung zwar eine psychologische Aufgabe sei, aber auf einer religiösen Grundierung beruhe. "Anstelle der 'falschen' Antwort durch Verbitterung heilt die Wunde durch Vergebung. Allerdings kann Vergebung nicht einfach gewollt und erteilt werden; sie bedarf einer Reifung des Verletzten. Die Kultur, die fremde und eigene Schuld bearbeitet, hat eine religiöse Grundierung", so Gerl-Falkovitz.

(red/KAP)

06.10.2009


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