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- 30.07.10

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Ordensschätze im neuen Licht
© Stephanscom.atEine der ältesten Kunstsammlungen Wiens, die Schatzkammer des Deutschen Ordens in der Wiener Innenstadt, ist nach einem aufwändigen Umbau ab Samstag, 22. April 2006, wieder den Besuchern zugänglich.

In unmittelbarer Nähe des Stephansdoms liegt in der Singerstraße 7 mit der Schatzkammer des Deutschen Ordens eine der ältesten Kunstsammlungen Wiens. Angesichts der über 800-jährigen Geschichte des Ordens nimmt die Schatzkammer einen Rang von hoher europäischer Bedeutung ein.

Jahrhundertelanges Sammeln

© Stephanscom.at
Beuing: "Wertvolle Hinterlassenschaften der Hochmeister werden aufbewahrt."

Von Anfang an erhielt der Deutsche Orden zahlreiche Schenkungen durch hochgestellte Wohltäter und durch die verschiedensten Landesherren. Aus der langen Phase als geistlicher Ritterorden (1198 bis 1929) stammen auch fast alle Pretiosen, die heute in der Wiener Schatzkammer des Deutschen Ordens zu sehen sind.

Aus der Frühzeit bis 1525 ist jedoch fast nichts erhalten, da in jenem Jahr der Hochmeister Albrecht von Brandenburg mit seiner Konversion zum protestantischen Glauben den alten Ordensschatz zu seinem Privateigentum erklärte. "Das Jahr 1525 kann somit als das Geburtsjahr der heutigen Schatzkammer gelten", erklärt der Kurator der Schatzkammer des Deutschen Ordens, Raphael Beuing, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 19. April 2006. Sie entstand eher weniger aus einem planmäßigem Sammeln, sondern indem die wertvollen und für erhaltenswürdig empfundenen Hinterlassenschaften der Hochmeister aufbewahrt wurden. "Ebenso besaßen die Hochmeister das Recht, die Kostbarkeiten verstorbener Ordensmitglieder einzuziehen", erklärt Beuing.

Seit 1805 Ordensschatz in Wien

Die Residenz des Hochmeisters befand sich seit 1526 in Mergentheim in Franken. Dort war auch die Kunstsammlung verwahrt. Als der Orden in Deutschland unter Napoleon 1805 aufgelöst wurde, kam der Sitz des Hochmeisters mit dem Schatz ins Ordenshaus nach Wien.

Lange Zeit wurden die Kunstwerke in Wien aufbewahrt, ohne ausgestellt zu sein. Erst 1970/71 wurde die gegenwärtige Schatzkammer eingerichtet. Anlässlich der 800-Jahr-Feier der Wiener Niederlassung des Ordens wurde sie nun umfassend renoviert und wird am Samstagvormittag, 22. April 2006, im Rahmen eines Festaktes wiedereröffnet. Im Zuge der Arbeiten wurde die Präsentation der Objekte insgesamt entscheidend verbessert, und einige herausragende Exponate neu ins Rampenlicht gerückt.

Neue Präsentation der Schätze

© Deutscher Orden
Eine Kostbarkeit: Schwerterkette mit Muttergottes und Jesukind.

In fünf Räumen werden die Schätze der bewegten Vergangenheit der 1190 gegründeten Ordensgemeinschaft präsentiert. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt in den Epochen von Gotik, Renaissance, Barock und Historismus. Zu sehen sind sakrale und profane Kunstgegenstände, Insignien, Münzen und Medaillen des Ordens und eine Kollektion reich verzierter orientalischer Waffen. Zu den Prunkstücken gehört eine silberne Natternzungenkredenz aus der Frühneuzeit, die als Salzgefäß diente. Besonderheiten sind auch eine silberne Kette (um 1500), deren Glieder aus doppelt gelegten Schwertern bestehen und das Bild der Muttergottes mit dem Kind, der Ordenspatronin, tragen. Weiters sind die Schaukästen mit kostbarem Tafelgeschirr, Uhren, Gläsern und Gefäßen bestückt, die in kräftigen Farben gehaltenen Wände zieren Altargemälde und Bildnisse zahlreicher Hochmeister.

Spezielle Kostbarkeiten

© Stephanscom.at
Christus thront in der Mandorla auf einem Regenbogen.

Ferner sind in der Schatzkammer wichtige Dokumente aus dem Zentralarchiv des Deutschen Ordens ausgestellt, das im gleichen Haus in der Singerstraße seinen Sitz hat. Ein Stück von besonderem Wert ist die von Papst Gregor IX. ausgestellte Urkunde zur Heiligsprechung von Elisabeth von Thüringen aus dem Jahr 1235. Der Deutsche Orden hatte sich für die Heiligsprechung Elisabeths besonders eingesetzt.

Eine besondere Kostbarkeit, die anlässlich der Neueröffnung der Schatzkammer bis zum 2. November 2006 präsentiert wird, ist das prächtige, auf 1325 datierte Evangeliar, eine Leihgabe aus dem Stadtmuseum Wiener Neustadt.

Die Schatzkammer des Deutschen Ordens (Singerstraße 7, Stiege I, 2. Stock, 1010 Wien) ist am Dienstag, Donnerstag und Samstag von 10.00 bis 12.00 Uhr, am Mittwoch und Freitag von 15.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

(red)

19.04.2006


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