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- 02.09.10

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Ein Haus für die Seelen-Esserinnen
© Radio StephansdomIn Burkina Faso gehen viele alte Bräuche und Traditionen zu Lasten der Frauen. Sie werden nicht selten als Seelen-Esserinnen aus ihren Dörfern verstoßen. Die Caritas hilft den Frauen und betreibt Aufklärungsarbeit für mehr Rechte und Gerechtigkeit.

Mit alten einfachen Hauen bearbeiten die Frauen im Dorf Pissila die aufgesprungene, rote Erde. Auf einem kleinen Acker vor dem Haus wollen sie Mais anbauen, vorrausgesetzt es regnet genug. Pissila liegt im Nordosten von Burkina Faso, in der Sahelzone. Oft muss das Wasser von weit entfernten Brunnen in Kanistern oder Tonkrügen herbeigeschafft werden. Das Wasserholen ist Aufgabe der Frauen. 95 Prozent von ihnen arbeiten in der Subsistenzlandwirtschaft, um sich und ihre Familien zu versorgen. Frauen erarbeiten mehr als die Hälfte des Familieneinkommens. Entscheidungsträger sind jedoch ausschließlich Männer. Obwohl die Frauen eine enorm hohe Arbeitslast tragen, haben sie gleichzeitig wenige oder gar keine Rechte.

Hexenverfolgung in Afrika

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Die Frauen wurden als Seelen-Esserinnen bezeichnet und verjagt.

Erniedrigende Bräuche sind auch heute noch quer durch die 60 verschiedenen Ethnien des Landes Alltag. Dazu gehört die Tradition der Hexenverfolgung. Besonders verbreitet ist sie im Zentralplateau beim Volk der Mossi. Sie stellen rund die Hälfte der 14 Millionen Einwohner des Landes. In der Pfarre Pissila unterstützt die Caritas Innsbruck ein Projekt für verstoßene Frauen, die sogenannten Seelen-Esserinnen.

In einem der Häuser leben sechs alte Frauen. Sie alle wurden aus ihren Dörfern verbannt, erzählt Verena Egger von der Caritas Innsbruck, die Projektverantwortliche für Burkina Faso: "Es ist hier ein kleines einfaches Gebäude entstanden, wo sechs Frauen, die als verstoßene Frauen von den Hofgemeinschaften und den Familien ausgeschlossen worden sind, Unterkunft gefunden haben. Hier erleben sie Gemeinschaft und können wieder in Würde leben."

Schuldspruch durch den Dorfchef

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Die Frauen spinnen Baumwolle und verkaufen sie.

Jährlich werden aus vielen Dörfern in Burkina Faso, ein Land dreieinhalb Mal so groß wie Österreich, mehrere Menschen, meist Frauen, als Seelen-Esserinnen verstoßen. Grund dafür sind Todes- oder Unglücksfälle, oft solche, die sich die Dorfbewohner nicht erklären können. In Ritualen bestimmen sie, wer die Schuld dafür trägt. Dabei wird etwa die Leiche eines Verstorbenen durch das Dorf getragen und dabei die Hütte der Seelen-Esserin bestimmt. Ist der Schuldspruch von den Dorfschefs einmal ausgesprochen, muss die Frau ihre Familie und ihr Zuhause für immer verlassen.

"Ich konnte nicht nach Hause zurück"

Marie Sawadogo stammt vom Volk der Mossi. Auch sie wurde vor einigen Jahren aus ihrem Dorf verstoßen, in die Unterkunft der Caritas kam sie auf Umwegen: "Als ich verstoßen wurde, wusste ich zuerst nicht wohin ich gehen sollte. Dann bin ich zurück gegangen in das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Meine Familie war nicht glücklich, als ich zu ihnen kam, sie hatten Angst Schwierigkeiten zu bekommen. Deshalb wollten sie, dass ich hier in dieses Haus komme. Jetzt kommen sie mich hier manchmal besuchen."

In Pissila haben die Frauen ein neues Zuhause gefunden. In geschütztem Raum können sie einander stützen. Keine der Frauen, die hier in Pissila im Haus für verstoßene Frauen leben, ist je in ihr Dorf zurückgekehrt. Wären sie trotzdem zurückgekehrt, hätte man ihnen etwas angetan, sind sich die Frauen sicher.

Mut zusprechen

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Es sind die Frauen, die die Felder bewirtschaften, das Wasser holen und die Familien ernähren. Rechte haben sie aber kaum.

Den Caritasmitarbeitern aus Burkina Faso ist es wichtig, die Frauen zu begleiten. In schwierigen Phasen brauchen sie Beistand von außen, erzählt der Pfarrer von Pissila, Abbé Bruno Ouedraogo: "Meine Aufgabe ist es die Frauen zu besuchen und ihnen Mut zu zusprechen."

Neben der Begleitung der Frauen ist die Aufklärungsarbeit in den Dörfern wesentlich. "Wir haben mit der Aufklärungsarbeit begonnen, indem wir Ausbildungen für die Führungspersonen in den Dörfern angeboten haben. Dabei halfen uns Mitarbeiter von staatlicher Seite, denn sie können auch genau sagen, welche Gesetze es gibt. Jetzt haben wir einen neuen Anlauf genommen, um in den Pfarren der Diözese alle Verantwortungsträger zu erreichen. Pastoren, Priester und Verantwortliche in Frauenvereinen. Sie sollen weitergeben, dass es nicht Recht ist, andere so auszuschließen", erklärt Abbé Bruno Ouédraogo.

Beschneidung und Zwangsverheiratung

In Burkina Faso ist laut Verfassung jede Form von geschlechtlicher Diskriminierung verboten. Die Praxis der Hexenverfolgung ist jedoch weit verbreitet. Diese Tradition aus der Lebenswelt der Menschen zu verbannen, ist alles andere als einfach. Ein weiteres Problem sind Zwangsheirat und weibliche Beschneidung. 2003 wurden die Bevölkerungs- und Gesundheitsdaten des Sahel-Landes erhoben. Damals waren 77 Prozent der burkinischen Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. Die meisten ethnischen Gruppen im Land praktiziert die weibliche Genitalverstümmelung, auch wenn sie offiziell verboten ist.

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Mehr zur Caritas Augustsammlung 2010 auf Stephanscom.at

(vm/ks)

29.07.2010


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