Zurück zur Startseite. Zurück zur Startseite. Zur Webseite von Radio Stephansdom.
- 30.07.10

 RSS, ATOM
 
Missbrauch - Ordensgemeinschaften kooperieren bei Aufklärung
© kathbild.at/rupprechtMit einer gemeinsamen Erklärung hat sich die Österreichische Superiorenkonferenz und die Vereinigung der Frauenorden Österreichs zum Thema sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche an die Öffentlichkeit gewandt.

Die österreichischen Stifte, Klöster und Ordenseinrichtungen werden bei der Aufklärung der aktuellen Missbrauchsvorwürfe "voll und ganz" mit den Ombudsstellen der Diözesen kooperieren. Dies erklärten die Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs und der Vereinigung der Frauenorden Österreichs in einer Presseerklärung am Donnerstag, 11. März 2010. Die aktuellen Missbrauchsfälle erfüllten die Orden "mit Bestürzung und Scham", daher wolle man sich den von der Österreichischen Bischofskonferenz vorgelegten Schritten zur Aufarbeitung "voll und ganz anschließen".

Betroffenheit über das Ausmaß

© kathbild.at/rupprecht
"Es hat von Seiten der Ordensoberen Fehleinschätzungen gegeben", so Propst Fürnsinn.

Man sei "über das Ausmaß derartiger Übergriffe in einer Reihe von Stiften, Klöstern und Ordenseinrichtungen betroffen" und werde aktiv die Zusammenarbeit suchen, um einen einheitlichen Informationsstand zu schaffen, heißt es in der Erklärung weiter. Zugleich bitten die Unterzeichner die Opfer um Entschuldigung. "Heute brechen diese nicht geheilten Wunden auf", zugleich sei "das Vertrauen gegenüber Stiften, Klöstern und Ordenseinrichtungen tief erschüttert". Konkret appellieren die Ordensverantwortlichen in ihrer Erklärung außerdem noch stärker an die hohe Verantwortung der Ordensoberen beim Umgang mit möglichen Tätern sowie auch bei der Auswahl von Anwärtern für geistliche oder kirchliche Berufe. Anfang April werde es dazu einen eigenen Arbeitstag der Orden gemeinsam mit Therapeuten, Juristen und den Ombudsstellenleitern geben, um so die Prävention zu verbessern.

Gegen Pauschalverdächtigungen

Zugleich appellieren die Unterzeichner der Erklärung, "die Stifte, Klöster und Ordenseinrichtungen nicht unter Pauschalverdacht zu stellen". Es gebe trotz der erschütternden Tatbestände weiterhin Tausende Ordensfrauen und Ordensmänner, die ihre geistliche Berufung "in großer Treue" leben.

Unterzeichnet ist die Erklärung vom Vorsitzenden der Superiorenkonferenz und Propst von Stift Herzogenburg, Maximilian Fürnsinn, dem zweiten Vorsitzenden der Superiorenkonferenz, Pater Lorenz Voith, dem Generalsekretär der Superiorenkonferenz, Pater Erhard Rauch, sowie von der Generaloberin und Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, Schwester Kunigunde Fürst, und der Stellvertretenden Präsidentin der Frauenorden, Schwester Patricia Erber.

Mehr Aufmerksamkeit für reife Sexualität

© kathbild.at/rupprecht
"Bewerber müssen sich vor dem Ordenseintritt einer ausführlichen Überprüfung unterziehen", so Pater Rauch.

Der Generalsekretär der Superiorenkonferenz, Pater Erhard Rauch, wies darauf hin, dass sich seit einigen Jahren jeder Bewerber vor dem Ordenseintritt einer ausführlichen Überprüfung unterziehen müsse. Bei den entsprechenden Persönlichkeitstests würden Psychologen auch die sexuelle Reife thematisieren, um zu sehen, "ob das auch Persönlichkeiten sind, die den Ansprüchen des Ordenslebens gerecht werden". Der Frage nach einer reifen Sexualität müsse allerdings in den Orden noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, räumte Pater Rauch ein. Er wolle diese Problematik aber nicht nur auf die Orden oder die Kirche beschränkt verstehen, sexueller Missbrauch sei ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

"Der Bogen ist überspannt"

Mit einer scharfen Selbstkritik ließ der Vorsitzende der Superiorenkonferenz und Propst von Stift Herzogenburg, Maximilian Fürnsinn, aufhorchen. In einem Interview mit dem Magazin "News" räumte Fürnsinn ein, es habe von Seiten der Ordensoberen Fehleinschätzungen gegeben: "Ich denke, dass wir bisweilen die Tragweiten nicht erkannt, falsch eingeschätzt haben", und nun sei "der Bogen überspannt", es treibe einem geradezu "die Schamesröte ins Gesicht", so Propst Fürnsinn.

Zugleich müsse die derzeitige Situation jedoch auch als Chance für einen Befreiungsschlag gesehen werden: "Wenn die Konsequenzen richtig angegangen werden, wenn wir die Maßnahmen, die wir setzen müssen, auch durchführen - dann kann diese furchtbare Situation zu einem Befreiungsschlag werden." Damit dieser gelinge, bedürfe es eines einheitlichen österreichweiten Wissensstandes zu den Missbrauchsfällen. Außerdem seien "kirchenferne Opferanwälte" in Erwägung zu ziehen. Dies würde die Aufarbeitung erleichtern.

Die derzeitige Situation bezeichnet der Herzogenburger Propst als "Fegefeuer", das voraussichtlich noch "ein, zwei Jahre" andauern werde. So sehr es schmerze, so notwendig sei dieser Prozess, um Heilung möglich zu machen: "Dieser Reinigungsprozess wird sehr wehtun, aber er muss einfach sein!"

Weitere Artikel:

Nach den Ursachen sexuellen Missbrauchs fragen

"Das Schweigen brechen"

Vatikanlob für Krisenmanagement in Österreich

(red/KAP)

11.03.2010


Druckansicht


Zurück

Schwerpunkte
Thema Missbrauch
Kultursommer
Sommergespräche
Neuerscheinungen
Aktuelle Tipps
tipp_gebetsmeinung.jpg




Die Erzdiözese - Service - Glaube & Leben - Pfarren - Termine - Suche/Sitemap - Gottesdienstsuche

Katholische Kirche Wien - Erzdiözese Wien - Erzbistum Wien
Optimiert ab MS IE 5.X und NS 7.X mit 1024x768 Pixel