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- 02.09.10

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Bibelwissenschafter Jacob Kremer gestorben
© Kathbild.at/RupprechtSein wichtigste Anliegen war es, den Menschen von heute die Sprache der Bibel zu erschließen: "Das ist die vorrangige und nie beendete Aufgabe der Bibelwissenschaft", betonte Jacob Kremer, der am Samstag im 86. Lebensjahr in Wien verstarb. Das Requiem ist am 24. Februar, um 19.00 Uhr, in der Kirche des Wiener Priesterseminars.

Der Neutestamentler Jacob Kremer, langjähriger Ordinarius für Neutestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, ist am Samstag, 13. Februar 2010, im Alter von 85 Jahren gestorben.
Kremer stammte aus dem Rheinland, wo er am 8. Dezember 1924 in Kohlscheid bei Aachen geboren wurde. Er studierte in Bonn und Rom Theologie und Philosophie. 1952 wurde er zum Priester geweiht. Von 1972 bis 1995 war er Professor für Neues Testament an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät. In seinen letzten Jahren  lebte Kremer in einem Haus der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" in Wien-Alsergrund. Für sein Wirken um die wissenschaftliche Verständigung mit Ländern des ehemaligen Ostblocks und um den Dialog mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät und dem Institut für Judaistik der Universität Wien erhielt er 1994 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Bibel in der Sprache der Menschen

© Kathbild.at/Rupprecht
Jacob Kremers Anliegen war es, den Menschen von heute die Sprache der Bibel zu erschließen.

Kremer trat mit Überzeugung für die historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung ein. Aber obwohl Jacob Kremer ein Mann der Wissenschaft war und Generationen von Studenten ausbildete, war er zugleich auch der pastoralen Praxis verpflichtet. Sein Anliegen war es, den Menschen von heute einen Zugang zur Sprache der Bibel zu erschließen und ihnen die Botschaft verstehbar zu machen. So entstand auch aus einer Artikelreihe in der "Aachener Kirchenzeitung" im Arbeitsjahr 1964/65 das vielgelesene Buch "Die Bibel lesen - aber wie". 1965 erschien es in erster Auflage und wurde in 30 Sprachen übersetzt. In einem "Kathpress"-Interview aus Anlass seines 70. Geburtstags fasste Kremer zusammen: "Die Bibel in die Sprache des heutigen Menschen zu übersetzen: Das ist die vorrangige und nie beendete Aufgabe der Bibelwissenschaft". Zur großen Freude von Jacob Kremer, wurde sein Büchlein im "Jahr der Bibel" 2003 neu aufgelegt. "Möge die Neufassung dazu beitragen, die heute oft fremdartig anmutenden Texte als frohmachendes Wort Gottes an uns zu vernehmen", schrieb Kremer in seinem Vorwort. Im Gespräch mit "Stephanscom.at", der Website der Erzdiözese Wien, betonte der Theologe damals, dass die Bibel "Wort Gottes in der Sprache der Menschen" ist. Mit dieser Formulierung hätten schon Pius XII. und dann das Zweite Vatikanische Konzil die Inspiration der Heiligen Schrift verständlich gemacht. Damit werde zugleich jedem Fundamentalismus vorgebeugt, der sich an eine wortwörtliche Inspiration klammert.

Kritische Haltung

Kremer galt als einer der wichtigsten Bibelwissenschafter des 20. Jahrhunderts. Hunderten Studenten brachte Jacob Kremer in den Jahren seines wissenschaftlichen Wirkens an der Universität Wien das Neue Testament nahe und machte sie mit der Exegese vertraut. Er war ein Verfechter der historisch-kritischen Exegese und entschiedener Gegner fundamentalistischer, wortwörtlicher Bibelauslegung. Jedem ist die immer kritische Haltung gegen sich selbst und seine Interpretationen der Heiligen Schrift in Erinnerung. So hatte er in seiner Vorlesung über den Prolog aus dem Johannesevangelium (Joh 1) immer angekündigt, dass er, wenn er stirbt, den Evangelisten fragen möchte, "Johannes, wie hast du den Text wirklich gemeint".

Theologische Werke

Zu den wichtigen bibeltheologischen Werken des aus Aachen stammenden Priesters und Professors zählen u.a. "Das älteste Zeugnis von der Auferstehung Christi" (1966), "Die Osterbotschaft der vier Evangelien" (1967), "Pfingstbericht und Pfingstgeschehen" (1973), "Das Evangelium von Jesu Tod und Auferstehung" (1983), "Lazarus" (1985), "Die Bibel - Gottes Wort an alle" (1988), "Jetzt die Wahrheit leben. Glaube an der Schwelle zum dritten Jahrtausend" (1991), "Der erste Brief an die Korinther" (1997), "Das leere Grab - ein Zeichen. Zur Relevanz der historisch-kritischen Exegese für die kirchliche Verkündigung" (2001).

Am Mittwoch, dem 24. Februar 2010 wird um 19.00 Uhr das Requiem in der Kirche des Wiener Priesterseminars (1090 Wien, Bolzmanngasse 7-9) gefeiert. Das Begräbnis findet am Donnerstag, dem 25. Februar, um 15.00 Uhr, in Klosterneuburg statt.

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(red/PEW)

15.02.2010


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