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- 21.03.10

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Gericht und Fegfeuer: Ärgernis oder Notwendigkeit?
© Kathbild.at/RupprechtAn der katholischen Lehre vom Fegfeuer scheiden sich seit vielen Jahrhunderten die "ökumenischen Geister". Ob der Streit nicht längst überwunden werden könnte, soll auf einem ökumenischen Studiennachmittag geklärt werden, zu dem die Theologischen Kurse und die Stiftung Pro Oriente einladen.

"Gericht und Fegfeuer. Ärgernis oder Notwendigkeit?" Das ist der Titel des ökumenischen Studiennachmittags zum Auftakt des Sommersemesters der Theologischen Kurse am Freitag, 12. Februar 2010. In Kooperation mit der ökumenischen Stiftung Pro Oriente sind Experten aus Orthodoxie, evangelischer und katholischer Tradition eingeladen.

Historische Uneinigkeit

© Kathbild.at/Rupprecht
Im orthodoxen Chorakloster ist Jesus als Weltenrichter dargestellt.

Auch wenn "Gericht und Fegfeuer", "Himmel und Hölle" in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen sind. In jüngster Zeit werden sie wieder verstärkt thematisiert. Das soll auch im Rahmen des Jahresthemas der Theologischen Kurse ("Der gerechte Gott") geschehen - ihr Leiter, Erhard Lesacher, betont: "Theologen und Theologinnen aller Konfessionen weisen darauf hin, dass auf das 'Gericht Gottes' unmöglich verzichtet werden kann." Doch wie die Lehre von den so genannten letzten Dingen konzipiert war, dass sei in der verschiedenen christlichen Traditionen nicht immer gleich gewesen: "Zumindest gab es in der Vergangenheit diese Uneinigkeit. Es war bei den Unionsverhandlungen im 15. Jahrhundert einer der großen Streitpunkte und der Hauptpunkt, warum es zu keiner Einigung kam."

Im 16. Jahrhundert war es der mit der Fegfeuerlehre verbundene Ablasshandel, an dem Martin Luther Anstoß genommen hatte. "Das heißt also in der Geschichte ist sowohl in Richtung Orthodoxie als auch in Richtung der reformierten Kirche die Fegfeuerlehre in der katholischen Form ein spaltender Punkt gewesen", fasst Lesacher zusammen.

Bedeutung für heute

Abgesehen von den historischen Entwicklungen soll auf dem ökumenischen Studiennachmittag auch die Aktualität der Rede vom Fegfeuer thematisiert werden. Es müsse heute gefragt werden, was eigentlich hinter den Begriffen von Fegfeuer und Gericht steht, welches theologische Problem damals und heute damit gemeint ist und ob nicht das Ringen um dieses Problem allen Konfessionen gemeinsam ist, meint Lesacher und erklärt, dass es bei der Lehre vom "Jüngsten Gericht" um die Gerechtigkeit gehen: "Es kann nicht sein, dass in Ewigkeit der Täter über das Opfer triumphiert. Es braucht Wahrheit und Gerechtigkeit." Beim Fegfeuer ginge es hingegen nicht nur um die persönliche Reinigung, sondern auch um die Frage der Versöhnung.

Orthodoxer, evangelischer und katholischer Experte

Die orthodoxe Perspektive wird Athanasios Vletsis von der Universität München darstellen. Der Tübinger Pastoraltheologe Ottmar Fuchs spricht zum Thema "Die 'Letzten Dinge' in pastoraler Verantwortung. Eine katholische Perspektive". Und der systematischen Theologen Christian Danz von der evangelischen Fakultät in Wien stellt "Überlegungen zur Funktion und Bedeutung des Letzten Gerichts in der protestantischen Theologie" vor.

Gericht und Fegfeuer. Ärgernis oder Notwendigkeit?
Eine theologische und ökumenische Ortsbestimmung.

Ökumenischer Studiennachmittag
Freitag, 12. Februar, 16.00-21.00 Uhr,
1010 Wien, Stephansplatz 3
Anmeldung per E-Mail wienerkurs@theologischekurse.at, oder telefonisch unter 01 / 51 552 - 3708.

(sj)

08.02.2010


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