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- 30.07.10

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Ökumene: Kirchen suchen neues Verhältnis zu Freikirchen
© Kathbild.at/RupprechtDer Vorsitzender des Ökumenischen Rates, Nicolae Dura, rief bei der Ökumenischen Fachtagung im Kardinal König Haus dazu auf, Vorurteile gegenüber Freikirchen zu beseitigen. Zur Vorsicht im Dialog mahnte der Leiter des Referats für Weltanschauungsfragen, Johannes Sinabell.

Die katholische und die evangelische Kirche suchen gemeinsam nach einem neuen Verhältnis zu den sogenannten "Freikirchen". Bei der Ökumenischen Fachtagung zum Thema "Der Geist weht, wo er will - Freikirchen und die Ökumene" am Freitag, 29. Jänner 2010, haben Vertreter beider Kirchen betont, dass ein "ehrlicher Dialog" dazu beitragen könne, Vorurteile abzubauen und gemeinsam Potenzial des jeweils anderen zu nutzen.

"Wir sollten Vorurteile beseitigen, die Begegnung suchen und Konkurrenz vermeiden", brachte es der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Nicolae Dura, auf den Punkt. Die Tagung wurde von der Kommission für Ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien, der Stiftung "Pro Oriente" und dem Kardinal König Haus veranstaltet.

Ein "klärungsbedürftiges Unverhältnis"

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"Wir sollten Vorurteile beseitigen, die Begegnung suchen und Konkurrenz vermeiden", sagt Bischofsvikar Nicolae Dura.

Eine wissenschaftliche Erörterung des "klärungsbedürftigen Unverhältnisses", in dem sich die Freikirchen zum ökumenischen Dialog mit den Kirchen verhalten, gab der Leiter des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim und Generalsekretär des Evangelischen Bundes, Walter Fleischmann-Bisten. So sehr man etwa von Seiten der evangelischen Kirchen von den Freikirchen lernen könnte, wie man die Themen Mission und Evangelisierung produktiv umsetze, so sehr warnte Fleischmann-Bisten auf der anderen Seite vor einem religiösen Fundamentalismus, der aus den USA kommend einige evangelikale Ausbildungsstätten als "Einfallstor" nutze. Da gebe es durchaus "alarmierende Tendenzen", so etwa das Votum einiger evangelikaler Gruppen, den "Kreationismus als neuartige Wissenschaftsdisziplin" anzusehen.

Insgesamt dürfe man bei allen notwendigen Annäherungen nicht übersehen, dass das Verhältnis der evangelischen Landeskirchen zu den Freikirchen "zu den belasteten Kapiteln in der Kirchengeschichte" gehöre. Die auf beiden Seiten wiederholten Vorurteile hätten nur "langsam zur Veränderung des Unverhältnisses" geführt. So erinnerte Fleischmann-Bisten etwa an die sich über 20 Jahre erstreckenden Gespräche mit den Methodisten, die zur vollen Kirchengemeinschaft geführt haben.

"Übergewichtung der charismatischen Erfahrung"

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Glasfenster der Siebentags-Adventisten: Der Engel mit der Posaune verkündet den Jüngsten Tag.

Zur Vorsicht im Dialog mit den Freikirchen mahnte indes der Leiter des Referats für Weltanschauungsfragen der Erzdiözese Wien, Johannes Sinabell. So gebe es unter den Freikirchen etwa eine starke "Fokussierung auf wenige, spektakuläre Charismen" und eine "Übergewichtung der charismatischen Erfahrung vor der Theologie des Heiligen Geistes", berichtete Sinabell aus seiner Beratungspraxis. Die Botschaft etwa, dass der Wille Gottes Gesundheit, Erfolg und Lebensglück für alle Christen zu jeder Zeit vorsehe, halte er für unverantwortlich. Ebenso unverantwortlich sei es auch, wenn etwa durch "Dämonenaustreibungen eine angemessene Behandlung verhindert" werde. Sinabell warnte auch vor dem in manchen Freikirchen herrschenden Personenkult um autoritäre Leitfiguren.


"Kein Zwang in Glaubensfragen"

Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Frank Hinkelmann, stellte die Entwicklung der Freikirchen in Österreich dar. Die Mehrheit der vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Freikirchen verstehe sich als Teil der evangelikalen Bewegung. Während die Evangelische Allianz - der Dachverband evangelikaler Christen aus Freikirchen und der evangelischen Kirche - dem Dialog mit anderen Konfessionen "durchaus offen" gegenüberstehe, werde von einem großen Teil der Freikirchen der ökumenische Dialog "eher kritisch" gesehen. Der frühere methodistische Superintendent Helmut Nausner erklärte, dass in Fragen des Glaubens der Zwang keinen Platz habe. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam in gegenseitigem Respekt zu lernen.

(red/KAP)

01.02.2010


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