An die Zehntausenden zivilen Toten des Bürgerkriegs in El Salvador hat der Jesuit Pater Martin Maier erinnert. Pater Maier hielt am Montag, 16. November 2009, einen Vortrag an der Universität Wien anlässlich des 20. Jahrestags der Ermordung von sechs Jesuiten an der Zentralamerikanischen Universität in San Salvador. Am 16. November 1989 waren die sechs Patres sowie die Haushälterin und deren Tochter von Soldaten des so genannten "Batallon Atlacatl" der salvadorianischen Armee erschossen worden. Die Jesuiten galten als führende Vertreter der "Theologie der Befreiung".
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Gedacht werden müsse auch den vielen zivilen Opfern des Bürgerkrieges, erklärte Pater Maier. So drangen am 11. Dezember 1981 Regierungstruppen in die Ortschaft El Mozote im Nordosten El Salvadors ein. Fast die gesamte Bevölkerung - über 900 Menschen - wurden von den Soldaten ermordet, darunter auch über 130 Kinder. Die Verbrechen von El Mozoto seien ebenso wenig vollständig aufgeklärt und die Schuldigen bestraft worden wie im Fall der Jesuiten von San Salvador. Im September 1991 kam es zu einem Gerichtsprozess, bei dem zum ersten Mal in der Geschichte des Landes acht Soldaten und Offiziere auf der Anklagebank saßen. Zwei von ihnen wurden verurteilt, aber bereits 1993 - aufgrund einer Amnestie - wieder freigelassen.
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Angesichts des Elends großer Teile der Bevölkerung von El Salvador setzte sich die von den Jesuiten 1965 gegründete Zentralamerikanische Universität als Bildungseinrichtung für soziale Reformen mit dem Ziel einer gerechteren Gesellschaftsordnung ein. Als Folge davon explodierten bereits 1976 die ersten Bomben auf dem Campus der Universität. In der Nacht vom 15. zum 16. November 1989 zerrte schließlich ein Kommandotrupp sechs Patres aus ihrer Wohnung am Universitätscampus und erschossen sie aus nächster Nähe. Die Haushälterin und deren Tochter mussten sterben, weil die Soldaten den Befehl erhalten hatten, keine Zeugen des Massakers übrig zu lassen. "Hier glaubten die Täter und ihre Hintermänner einmal mehr, mit Personen auch deren missliebigen Ideen töten zu können", so Pater Maier. Doch genau das Gegenteil sei schließlich der Fall gewesen.
Der Fall der
Jesuitenmorde sei schließlich zu einem Politikum ersten Ranges geworden, so
Pater Maier. Armee und Regierung hätten erst versucht, das Verbrechen zu
leugnen und der Guerilla in die Schuhe zu schieben. Doch dieses Lügengebäude
sei in sich zusammengefallen. "Zum ersten Mal befand sich die Armee in der
Defensive. Ein besonderer Skandal war, dass auch die US-Botschaft in die
Vertuschungsmanöver verwickelt war und ein US-Militärberater sogar im Voraus
von dem geplanten Verbrechen wusste, ohne etwas zu unternehmen."
Unter Vermittlung der Vereinten Nationen wurden im April 1990
Friedensverhandlungen begonnen. Die zu einem umfassenden Friedensvertrag
führten, der im Januar 1992 unterzeichnet, von dem aber in der Folge nur
wenig umgesetzt wurde. Auch 17 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs sei man von
einer Lösung der vielen Probleme El Salvadors noch weit entfernt, so Pater
Maier. Er prangerte in seinem Vortrag vor allem die unkontrollierte Gewalt
an, die nach wie vor im Land herrsche. Bei seinem letzten Aufenthalt in El
Salvador seien an einem Tag nicht weniger als 25 Menschen ermordet
worden.
Vor allem die Jugendlichen hätten keine Zukunftsperspektiven und würden
sich oft Jugendbanden, den so genannten "maras", anschließen, auf deren
Konto zwei Drittel aller Mordtaten gehen. Das sei die Konsequenz einer
verfehlten oder gar nicht existierenden Sozial- und Bildungspolitik.
Nun liegt die Hoffnung auf dem neuen Präsidenten Mauricio Funes, der seit
März 2009 im Amt ist. Er habe versprochen, die Kriminalität durch Prävention
und Programme für Jugendliche sowie durch die Schaffung von Arbeitsplätzen
zu bekämpfen. Auch der Kampf gegen die Korruption stehe ganz oben auf seiner
Agenda. Mit Funes könnte ein neues Kapitel in der Geschichte El Salvadors
aufgeschlagen werden, doch kurzfristige Lösungen seien nicht zu erwarten,
zeigte sich Maier nur sehr vorsichtig optimistisch.
Die ermordeten Jesuiten und Frauen erhielten nun 20 Jahre nach ihrem Tod
posthum den höchsten nationalen Orden El Salvadors. Das wäre früher
undenkbar gewesen und sei vielleicht auch ein Zeichen für eine historische
Wende in El Salvador, sagte Pater Maier.
(red/KAP)