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- 12.03.10

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Vage Zeichen der Hoffnung in El Salvador
© Stephanscom.atDer deutsche Jesuitenpater Martin Maier erinnerte bei einem Vortrag in Wien an die Ermordung von sechs Jesuiten vor 20 Jahren in San Salvador sowie an die Zehntausenden zivilen Bürgerkriegsopfer. Es gebe allerdings vage Hoffnungszeichen für einen politischen Neuanfang, so Pater Maier.

An die Zehntausenden zivilen Toten des Bürgerkriegs in El Salvador hat der Jesuit Pater Martin Maier erinnert. Pater Maier hielt am Montag, 16. November 2009, einen Vortrag an der Universität Wien anlässlich des 20. Jahrestags der Ermordung von sechs Jesuiten an der Zentralamerikanischen Universität in San Salvador. Am 16. November 1989 waren die sechs Patres sowie die Haushälterin und deren Tochter von Soldaten des so genannten "Batallon Atlacatl" der salvadorianischen Armee erschossen worden. Die Jesuiten galten als führende Vertreter der "Theologie der Befreiung".

Opfer in der Zivilbevölkerung

© Stephanscom.at
"Die Verbrechen sind nicht vollständig aufgeklärt", so Pater Maier.

Gedacht werden müsse auch den vielen zivilen Opfern des Bürgerkrieges, erklärte Pater Maier. So drangen am 11. Dezember 1981 Regierungstruppen in die Ortschaft El Mozote im Nordosten El Salvadors ein. Fast die gesamte Bevölkerung - über 900 Menschen - wurden von den Soldaten ermordet, darunter auch über 130 Kinder. Die Verbrechen von El Mozoto seien ebenso wenig vollständig aufgeklärt und die Schuldigen bestraft worden wie im Fall der Jesuiten von San Salvador. Im September 1991 kam es zu einem Gerichtsprozess, bei dem zum ersten Mal in der Geschichte des Landes acht Soldaten und Offiziere auf der Anklagebank saßen. Zwei von ihnen wurden verurteilt, aber bereits 1993 - aufgrund einer Amnestie - wieder freigelassen.

Missliebige Personen und ihre Ideen töten

© Wikipedia
Vor 20 Jahren wurden in San Salvador sechs Jesuiten sowie ihre Haushälterin und deren Tochter von Armeeangehörigen ermordet.

Angesichts des Elends großer Teile der Bevölkerung von El Salvador setzte sich die von den Jesuiten 1965 gegründete Zentralamerikanische Universität als Bildungseinrichtung für soziale Reformen mit dem Ziel einer gerechteren Gesellschaftsordnung ein. Als Folge davon explodierten bereits 1976 die ersten Bomben auf dem Campus der Universität. In der Nacht vom 15. zum 16. November 1989 zerrte schließlich ein Kommandotrupp sechs Patres aus ihrer Wohnung am Universitätscampus und erschossen sie aus nächster Nähe. Die Haushälterin und deren Tochter mussten sterben, weil die Soldaten den Befehl erhalten hatten, keine Zeugen des Massakers übrig zu lassen. "Hier glaubten die Täter und ihre Hintermänner einmal mehr, mit Personen auch deren missliebigen Ideen töten zu können", so Pater Maier. Doch genau das Gegenteil sei schließlich der Fall gewesen.

"Kampf für Glaube und Gerechtigkeit"

Der Fall der Jesuitenmorde sei schließlich zu einem Politikum ersten Ranges geworden, so Pater Maier. Armee und Regierung hätten erst versucht, das Verbrechen zu leugnen und der Guerilla in die Schuhe zu schieben. Doch dieses Lügengebäude sei in sich zusammengefallen. "Zum ersten Mal befand sich die Armee in der Defensive. Ein besonderer Skandal war, dass auch die US-Botschaft in die Vertuschungsmanöver verwickelt war und ein US-Militärberater sogar im Voraus von dem geplanten Verbrechen wusste, ohne etwas zu unternehmen."

Unter Vermittlung der Vereinten Nationen wurden im April 1990 Friedensverhandlungen begonnen. Die zu einem umfassenden Friedensvertrag führten, der im Januar 1992 unterzeichnet, von dem aber in der Folge nur wenig umgesetzt wurde. Auch 17 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs sei man von einer Lösung der vielen Probleme El Salvadors noch weit entfernt, so Pater Maier. Er prangerte in seinem Vortrag vor allem die unkontrollierte Gewalt an, die nach wie vor im Land herrsche. Bei seinem letzten Aufenthalt in El Salvador seien an einem Tag nicht weniger als 25 Menschen ermordet worden.

Höchste Auszeichnung für Ermordete

Vor allem die Jugendlichen hätten keine Zukunftsperspektiven und würden sich oft Jugendbanden, den so genannten "maras", anschließen, auf deren Konto zwei Drittel aller Mordtaten gehen. Das sei die Konsequenz einer verfehlten oder gar nicht existierenden Sozial- und Bildungspolitik.

Nun liegt die Hoffnung auf dem neuen Präsidenten Mauricio Funes, der seit März 2009 im Amt ist. Er habe versprochen, die Kriminalität durch Prävention und Programme für Jugendliche sowie durch die Schaffung von Arbeitsplätzen zu bekämpfen. Auch der Kampf gegen die Korruption stehe ganz oben auf seiner Agenda. Mit Funes könnte ein neues Kapitel in der Geschichte El Salvadors aufgeschlagen werden, doch kurzfristige Lösungen seien nicht zu erwarten, zeigte sich Maier nur sehr vorsichtig optimistisch.

Die ermordeten Jesuiten und Frauen erhielten nun 20 Jahre nach ihrem Tod posthum den höchsten nationalen Orden El Salvadors. Das wäre früher undenkbar gewesen und sei vielleicht auch ein Zeichen für eine historische Wende in El Salvador, sagte Pater Maier.

(red/KAP)

18.11.2009


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