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- 02.09.10

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Halloween - zwischen Totengedenken und Fasching
© Bilderbox.comHalloween oder die "All Hallows Eve" - die Nacht vor Allerheiligen wird auch in Österreich immer populärer. Doch worum geht es bei dem Brauch eigentlich und wo hat er seine Wurzeln? "Halloween ist ursprünglich ein ernstes Fest, bei dem das Totengedenken im Vordergrund stand", so Stefan Renner.

"Vor einigen Jahren im Oktober traf ich einen Bekannten vor einem Bastelgeschäft. Er meinte, er warte auf seine Frau, die gerade für Halloween einkauft. Darauf meine Frage, was das bitte sei? Er sagte: Das weiss ich auch nicht, aber wir feiern es...", erzählt der Theologe und Volkskundler Stefan Renner. Gerade im Herbst, wenn die Natur sozusagen stirbt, es dunkler wird, setzten die Menschen sich mit dem Tod auseinander und haben das Bedürfnis nach Symbolen und Ritualen, nach Brauchtum, dass die Auseinandersetzung mit dieser Thematik erleichtert, so Stefan Renner.

Wenn die Wände zum Totenreich dünn sind

© Rupprecht@kathbild.at
Halloween ist in Europa ein buntes Faschingsfest und kein Totengedenken.

Auch in Österreich ist es in den letzten Jahren populär geworden am 31. Oktober, der Nacht vor Allerheiligen, Halloween oder "All Hallows Eve", wie der Tag ursprünglich hieß, zu feiern. Kinder und Jugendliche ziehen von Tür zu Tür und fordern mit dem Spruch "Trick or Tread. Süßes sonst gibt’s Saures" Süßigkeiten ein. Die Wurzeln von Halloween liegen im keltischen Irland der vorchristlicher Zeit. Papst Gregor IV. verlegte im Jahr 835 das Allerheiligenfest, dass bis dahin im Mai gefeiert wurde, auf den 1. November.

"Am 31. Oktober haben die Kelten den Jahreswechsel gefeiert. In dieser Nacht war man der Meinung, seien die Wände dünn hinüber zur Ewigkeit, können die Toten zurück kommen. Gleichzeitig war das auch die Nacht, in der Geister und Dämonen unterwegs waren", erklärt Stefan Renner. Eine Theorie warum der Brauch entstand, sich an Halloween zu verkleiden, besagt, dass einen die Geister, die in jener Nacht unterwegs sind, verkleidet nicht erkennen und so auch nicht Besitz von den Menschen ergreifen können.

Von der Rübe zum Kürbis

© Stephanscom.at
Ein Grund für den Erfolg von Halloween ist die Wirtschaft, die ein Umsatzplus in einer sonst ruhigen Zeit verzeichnet.

Das klassische Symbol zu Halloween ist der ausgehöhlte Kürbis mit einer Kerze im Inneren.Oft zu möglichst erschreckenden, dämonischen Masken geschnitzt finden sie sich vor Haustüren und in Fenstern. Ursprünglich waren es ausgehöhlte Rüben mit Kerzen, aber in den USA stieg man auf die größeren Kürbisse um. Zurück geht der Brauch auf die "Legende vom Jack", der mehrmals den Teufel austrickste und am Ende weder in den Himmel noch in die Hölle aufgenommen wurde.

Er bekam vom Teufel nur eine glühende Kohle in die Hand, um damit auf ewig durch die Dunkelheit zu wandern. Allerdings hatte Jack eine Rübe bei sich, die er für die heiße Kohle aushöhlte. "Jack ist ein Symbol für den rastlosen, ruhelosen Menschen, der nirgends willkommen ist und ewig durch die Dunkelheit wandert. Dafür steht heute auch der ausgehöhlte Kürbis", so Stefan Renner.

Räbenlichter in der Schweiz

Der Brauch, im Herbst Rüben auszuhöhlen und Kerzen hinein zu stellen, hat sich nicht nur in Irland entwickelt. "Räbenlicht" heißt ein ähnlicher Brauch in der Schweiz. Als Räben bezeichnet man eine Sorte der Futterrübe, die früher ein Grundnahrungsmittel wie Erdäpfel war. Im November werden die letzten Früchte eingebracht und einige davon ausgehöhlt. Mit Messern werden Muster oder Symbole in die violette Haut geritzt. Traditionellerweise handelt es sich dabei um Sonne, Mond und Sterne. Die fertigen Räbenlichter werden dann ähnlich wie bei einem Martinsumzug von den Kindern durch die dunklen Straßen getragen.

"Halloween ist ein ernstes Fest"

© Stephanscom.at
"Halloween wirft die zentrale Frage nach dem Tod auf ", so Stefan Renner.

Durch die Emigration vieler Iren in die USA gewinnt das Brauchtum rund um Halloween im Laufe der Zeit massiv an Bedeutung. Aber es erfährt zugleich eine Profanisierung, die es einerseits unabhängig von Religion und Herkunft macht, andererseits den Charakter des Totenkultes immer mehr in den Hintergrund drängt. Um 1900 schließlich war Halloween zu einer gefürchteten Nacht der Zerstörung geworden und ab 1930 setzte sich der Spruch "Trick or Tread. Süßes sonst gibt’s Saures" durch. "Halloween wird in Amerika immer mehr zu dem, was wir unter Fasching verstehen, und so kommt Halloween nach Europa zurück. Mit einer Mischung aus Totengedenken und Fasching. Defakto ist Halloween aber ein ganz ernstes Fest, dass die zentrale Frage nach dem Tod aufwirft und in diesem Sinn kann Halloween auch in Europa Bedeutung bekommen", so Stefan Renner.

Radiotipp:

© RSD

Halloween, das ehemalige Totenfest aus Irland, hat über die USA längst auch Europa erobert. Worum geht es bei dem Fest am Vorabend von Allerheiligen und warum tritt das Totengedenken immer mehr in den Hintergrund? Darüber hat sich Katharina Spörk mit dem Theologen Stefan Renner unterhalten.

In den Perspektiven auf 107,3 am Dienstag, 28. September 2008, 19.00-19.25 Uhr.

(ks)

29.10.2008


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