Das Kreuz kam gleichsam aus dem Nichts, sagt Raphael Beuing, Kurator der
Schatzkammer des Deutschen Ordens in der Wiener Singerstraße. Für den
Orden eine große Freude, stellt das Objekt ja so etwas wie den "Rubens" des
Ordens dar. Im vergangenen Jahr wurde es in der Ausstellung "Kreuzritter"
auf Schloss Schallaburg in Niederösterreich entdeckt. Eine Leihgabe aus
Privatbesitz. Die verschlungenen Wege, die das Kreuz in den vergangenen drei
Jahrzehnten genommen hatte, versuchte man im Zentralarchiv des Deutschen
Ordens aufzudecken.
"Dieses Brilliantenkreuz war um das Jahr 1730 ein Geschenk Kaiser Karls VI.
an Hochmeister Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Der Kaiser, Vater Maria
Theresias, hatte unter anderem die Pragmatische Sanktion durchgekämpft, die
es ermöglichte, die Erbfolge im Hause Habsburg auch über Frauen zu
gewährleisten. Der Hochmeister hatte ihn in dieser Sache tatkräftig
unterstützt. Als Dank dafür hatte der Kaiser ihm dieses Kreuz verehrt, das
im Laufe der Jahre immer an die Hochmeister weitergegeben wurde", so Kurator
Raphael Beuing am Donnerstag, 10. April 2008, bei der Präsentation des
wertvollen Fundes.
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Als der Ordensschatz im Jahr 1938 im Zuge der Auflösung des Ordens durch die Nationalsozialisten dem Wiener Kunsthistorischen Museum einverleibt wurde, war das Kreuz bereits verschwunden. Erst jüngst tauchte das Halskreuz wieder auf, seine Brillianten allerdings waren in der Zwischenzeit durch Glassteine ausgetauscht worden. Doch wo war es im Nationalsozialismus geblieben? "Das ist etwas mühsam, darüber zu spekulieren, wohin es genau gekommen ist", sagt Beuing. "Es wurde einmal vermutet, dass es von einem der damals führenden Nazis nach Deutschland mitgenommen wurde. Allerdings ist es nun in der Nähe zu Wien wieder aufgetaucht."
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Übrigens gehört zum Kreuz ein so genannter Coulant, ein Schiebering, durch
den das Seidenband über dem Halskreuz geführt wird. Geschmückt ist dieser
Ring mit dem Bild des heiligen Martin, des Mainzer Bistumspatrons. Das war
ein Zeichen der Gebetsfreundschaft zwischen dem Erzbischof und Kurfürsten
von Mainz mit den Ordensverwaltungen Franken und Elsaß-Burgund.
Wer aber bis zum Auftauchen des wertvollen Kreuzes vergangenen Jahres
dessen Besitzer war, darüber bleibt der Mantel des Geheimnisses: "Das ist
eigenartig, aber da kann man nur darüber spekulieren. Aber das Kreuz wurde
zumindest im Edelmetall geschont. Wäre es einem Nazischergen in die Hände
gefallen, hätte er vielleicht auch das Gold eingeschmolzen." Der jetzige
Besitzer habe das Kreuz auf jeden Fall im guten Glauben erworben, betont
Kurator Beuing. Bis 22. November stellt er es dem Deutschen Orden und seiner
Schatzkammer zur Verfügung. Und diese befindet sich im ersten Wiener
Gemeindebezirk, in der Singerstraße 7, Tür 1, 2. Stock.
800 Jahre Deutscher Orden
Ordensschätze in neuem Licht
(mn)