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- 02.09.10

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Grundeinkommen würde keine "Sozialschmarotzer" produzieren
© koseDie Expertin der Katholischen Sozialakademie Österreichs, Lieselotte Wohlgenannt, legte bei einer Tagung in Brüssel die Vorteile einer gesicherten Grundversorgung dar und relativierte die Ängste. "Menschen mit einer gesicherten Grundversorgung wollen genauso arbeiten", so Wohlgenannt.

Keine Untersuchung zum Thema Grundeinkommen deute darauf hin, "dass Menschen mit einer gesicherten Grundversorgung nicht mehr arbeiten wollen". Das betonte Lieselotte Wohlgenannt, langjährige Expertin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) in diesem Bereich bei einer Veranstaltung am Dienstag, 3. Juni 2007, zum Thema Grundeinkommen in Brüssel. In einer kleinen Umfrage des Netzwerks "Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt" sei vorrangig die Möglichkeit freieren Engagements in sozialen- und Umweltaktivitäten genannt worden, die durch eine Grundsicherung gegeben wäre.

"Basis schaffen für ein selbstbestimmtes Handeln"

© kose
Bei einer Tagung in Brüssel, an der auch die Expertin der ksoe, Liselotte Wohlgenannt, teilnahm, wurde über das Grundeinkommen diskutiert.

"Manche würden ihre Erwerbsarbeitszeit reduzieren, um andere, für sie wichtigere Dinge zu tun", so Wohlgenannt. Einige betrachteten Grundeinkommen als Sicherheitsbasis, um eine eigene Existenz zu gründen. Und viele drückten die Hoffnung aus, es würde dann weniger "working poor" geben, die von ihrer Arbeit nicht leben können. Ängste vor einem Überhandnehmen von "Sozialschmarotzern" durch ein Grundeinkommen seien jedenfalls nicht rational begründet.

Deutlich zum Ausdruck komme die Überzeugung, mit Hilfe eines Grundeinkommens ohne Druck und dadurch besser und kreativer arbeiten zu können. Auf alle Fälle würde Grundeinkommen, so die ksoe-Expertin, "die Unsicherheit und die Angst vor Arbeitsplatzverlust reduzieren, die jede Lebensplanung schwierig macht".

"Frauen profitieren vom Grundeinkommen"

© Rupprecht@kathbild.at
"Grundeinkommen verbessert die Lage der Frauen", so Lieselotte Wohlgenannt.

Laut Wohlgenannt würden vor allem Frauen von einem von Erwerbsarbeit entkoppelten Grundeinkommen profitieren: "Ein Grundeinkommen würde die ökonomische Sicherheit und Unabhängigkeit von Frauen stärken und ihre Freiheit erhöhen." Frauen leisteten häufiger unbezahlte Arbeit als Männer, erzielten weniger Erwerbseinkommen und besäßen weniger Vermögen. Ein steuerfinanziertes Grundeinkommen würde somit die Einkommensverteilung zugunsten der Frauen ändern und einen gewissen ökonomischen Ausgleich schaffen, argumentierte Wohlgenannt.

Das bestehende Macht-Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen würde ein Grundeinkommen allerdings nicht automatisch aufheben, warnte sie. Geschlechtsspezifische Rollen in der Arbeitswelt, die mit einer Unterbewertung "typisch weiblicher" gegenüber "typisch männlichen" Tätigkeiten verbunden sind, könnten durch ein Grundeinkommen sogar verstärkt werden.

Kreativität und Innovation würden begünstigt

Schon heute werde der größte Teil der gesellschaftlich notwendigen Arbeit außerhalb des Erwerbssektors und unbezahlt erbracht. Das werde freilich "aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt" und Arbeit mit Erwerbsarbeit gleichgesetzt. In Arbeitsstunden gemessen übertrifft der, oft von Frauen übernommene, Aufwand für Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege in den Privathaushalten den Aufwand für bezahlte Arbeit.

Wohlgenannt wies auch auf die große Vielfalt an sozialen und ökologischen Initiativen hin, die neue Wege in der Gestaltung von Wirtschaft, Umwelt und sozialem Zusammenleben suchten: Selbsthilfegruppen, Tauschkreise, Parallelwährungen, regionale Zusammenschlüsse von Produzenten und Konsumenten für naturnahe Lebensmittel und andere würden wesentlich von der Zivilgesellschaft getragen. Ein Grundeinkommen würde viele, die in diesen Bereichen engagiert sind und arbeiten wollen, vom Druck befreien, zuvor die eigene Lebensgrundlage sichern zu müssen, so Wohlgenannt.

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(red/KAP)

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