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- 02.09.10

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"Papst will den Dialog mit der Weltorthodoxie stärken"
© Rupprecht@kathbild.atEine "Verbesserung der interkonfessionellen Gesprächsatmosphäre" erwartet sich Rudolf Prokschi von der Universität Wien vom Türkei-Besuch Benedikts XVI. Zu hoffen sei auch, "dass die kleine christliche Minderheit in der Türkei eine Verbesserung ihrer Situation erfährt."

Die Begegnung von Papst Benedikt XVI. mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. am 29. November 2006 ist "ein Zeichen der Stärkung für den Dialog zwischen Weltorthodoxie und katholischer Kirche", zeigt sich Rudolf Prokschi, Vorstand des Instituts für Theologie und Geschichte des Christlichen Orients in Wien, im Gespräch mit Radio Stephansdom überzeugt. Generell aber sollte man die Erwartungen in den Besuch nicht zu hoch ansetzen, meint Prokschi: "Es ist wichtig, dass es vertrauensbildende Maßnahmen gibt, man kennt das aus der Politik. Alle diese Begegnungen auch mit Vertretern der Muslime und des Staates können mithelfen, dass es im interkonfessionellen Dialog zu einer Verbesserung der Gesprächsatmosphäre kommt."

Gemeinsame Erklärung von Bartholomaios I. und Benedikt XVI.

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Patriarch Bartholomaios ist Nachfolger des heiligen Andreas.

Papst Benedikt XVI. wird in der Türkei mit Vertretern der armenisch-apostolischen sowie der syrisch-orthodoxen Kirche, dem Oberrabbiner von Istanbul und Mitgliedern der türkischen katholischen Bischofskonferenz zusammentreffen. Höhepunkt der Türkei-Reise von Papst Benedikt XVI. ist seine Präsenz bei der von Patriarch Bartholomaios I. zelebrierten Liturgie in der Kathedrale St. Georg zum Fest des heiligen Andreas. Bei der Liturgie wird Benedikt XVI. eine Ansprache halten, anschließend wird eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet.

"Spannend", so Prokschi, sei, "wie weit es gelingt, auch den anderen orthodoxen Patriarchen, insbesondere dem Moskauer Patriarchen Aleksij II., mit dem Besuch ein positives Zeichen zu geben". Der ökumenische Patriarch nimmt zwar innerhalb der Orthodoxie eine Vorrangstellung ein, dieser Primat sei jedoch nicht mit dem Papstamt vergleichbar, erläutert Prokschi: "Er ist ein Primus inter Pares, denn in der Orthodoxie gibt es drei gleichrangige Oberhäupter".

Schwierige Situation für Patriarch Bartholomaios in der Türkei

Auch der Staat erschwert den Stand des Ökumenischen Patriarchen: Nach Auffassung der türkischen Regierung kann Bartholomaios I. nur für die in der Türkei lebenden orthodoxen Christen sprechen. Die Türkei lehnt alle gesamtorthodoxen und universalkirchlichen Zuständigkeiten des Patriarchen ab. Von den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei erhofft sich Patriarch Bartholomaios eine Stärkung der Rechtslage der Kirchen im Land. Schwer belastend ist auch die Tatsache, dass das Priesterseminar auf der Prinzeninsel Chalki, türkisch: Heybeli, seit 35 Jahren geschlossen ist. Das Patriarchat ist die einzige orthodoxe Kirche, die keine Ausbildungsstätte hat.

Ein weiteres Problem ist die Wahl eines neuen Patriarchen, der nach Vorschrift Ankaras türkischer Staatsbürger sein muss. "Es ist deshalb zu hoffen, dass die kleine christliche Minderheit in der Türkei ein Verbesserung ihrer Situation erfährt", so Prokschi.

Annäherung im 20. Jahrhundert

© Rupprecht@kathbild.at
Der Ökumenische Patriarch ist ein "Primus inter Pares" weiß Prokschi.

Begegnungen zwischen dem Papst und dem Ökumenischen Patriarchen gab es im 20. Jahrhundert einige: 1964 kam es zur historischen Begegnung von Papst Paul VI. und dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras in Jerusalem, ein Jahr später proklamierten beide die gegenseitige Löschung der Exkommunikation von 1054. 1967 reist Paul VI. nach Istanbul. Papst Johannes Paul II. besuchte 1979 Athenagoras-Nachfolger Dimitrios.

Trennung von West- und Ostkirche

Im Unterschied zum Papst als Nachfolger Petri beruft sich der Ökumenische Patriarch auf den heiligen Andreas. Den historischen Hintergrund erklärt Ostkirchenexperte Prokschi aus der Tatsache, dass "es in Rom die Märtyrergräber des Petrus und Paulus gab. Als aber Kaiser Konstantin seinen Sitz von Rom an den Bosporus verlegte und Konstantinopel gründete, wollte er auch für seine Stadt einen besonderen Bischofssitz." Der heiligen Apostel Andreas hatte im Gebiet des Schwarzen Meeres gewirkt und wurde daher Patron der Kirche von Konstantinopel. Den Führungsanspruch des Bischofs von Rom interpretiere die Ostkirche anders, sagt Prokschi: "Für sie ist Petrus nicht als Person aus dem Apostelkollegium herausgenommen worden, sondern sein Glaube ist es, auf dem der Herr die Kirche gegründet hat."

Zum großen Schisma von 1054 kam es, als der päpstliche Gesandte Kardinal Humbert im Namen von Leo IX. die Bannbulle gegen den Patriarchen Kerullarios auf den Hauptaltar der Hagia Sophia legte. Dieser Ausschluss bezog sich aber nur auf einzelne Personen. So wurde mit der Bulle nur der Patriarch und einige seiner Mitarbeiter exkommuniziert. Auch die einige Tage später exkommunizierten lateinischen Legaten wurden nur "ad personas", also persönlich vom Patriarchen exkommuniziert, betont Rudolf Prokschi. Es ist dies auch nur "als Punkt von vielen und nicht als den Hauptpunkt der Trennung" zu sehen.

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(bm/sth)

28.11.2006


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