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- 02.09.10

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Garten der Religionen im Stift Altenburg
© Stift AltenburgIm Waldviertler Benediktinerstift Altenburg gibt es seit Pfingsten 2006 den "Garten der Religionen". Er soll die Sicht der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil darstellen. Ein Kulturausflug ins Waldviertel mit Stefan Hauser.

Auf einem rund drei Hektar großen Grundstück vor dem Stift Altenburg wurde in den vergangenen zwei Jahren der Garten der Religionen angelegt. Das als "Großer Stiftspark" bezeichnete Grundstück, das seit dem Jahr 1768 von einer Steinmauer umgeben ist, war nach dem Zweiten Weltkrieg als Gärtnerei, Obstplantage und Christbaumkultur verwendet worden.

Ehemaliger Stiftspark als geeignetes Areal

© Stift Altenburg
Der Garten stelle die Sicht der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen dar, so Pater Michael.

Bei der Revitalisierung des "Parkes" entschieden sich die Benediktinermönche nicht für die Wiederherstellung eines historischen Barockgartens, sondern für eine aktuelle Gestaltung mit einem der ökumenischen Haltung des Klosters entsprechenden Thema. "Wir wollten die Konzilserklärung Nostra Aetate, die sich dem Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen widmet, in Gartensprache übersetzen", erläutert Pater Michael Hüttl von den Altenburger Benediktinern die Grundintention des "Gartens der Religionen". Insgesamt wurde in das Projekt eine Million Euro investiert, davon konnte das Stift 420.000 Euro durch Eigenleistungen und Eigenmittel aufbringen. Der neue Garten im Stift Altenburg wurde nach den Kriterien der Initiative "Natur im Garten" des Landes Niederösterreich angelegt.

Wasser und Wege als leitende Elemente im Garten

© Stift Altenburg
Aus Italien stammt der 400 Jahre alte Olivenbaum.

Nach intensiver Diskussion mit Gartenexperten wurde das Projekt "Garten der Religionen" umgesetzt. Durch Wegeführung, Stein- und Wasserelemente werden Hinduismus, Buddhismus, das Judentum und der Islam inmitten des christlichen Klostergartens in Altenburg symbolisiert. "Wasser, das in allen Religionsfeldern vorkommt und Wege, die aufzeigen sollen, wo es Abgrenzungen und Angrenzungen gibt", spezifiziert Pater Michael. 

Doch auch Pflanzen spielen bei der Gestaltung des "Gartens der Religionen" eine entscheidende Rolle. Bis auf wenige Ausnahmen wurden heimische Blumen, Sträucher und Kräuter in der Gartengestaltung verwendet. Aus Italien wurde ein 400 Jahre alter Olivenbaum umgepflanzt.

Abrahamsweg und Zehn Gebote zu Beginn des Gartens

Das Feld für das Judentum beginnt mit einem breiten Zugang vom Mittelpunkt des Gartens. "Wir wollten damit den Abrahamsweg darstellen", argumentiert Pater Michael Hüttl dessen Umsetzung, "der Abrahamsweg der sich durch die drei großen monotheistischen Religionen durchzieht." Anschließend bildet der Weg einen Kreis, in der Mitte mit einem Quellstein, darum zehn Steine, die die Zehn Gebote symbolisieren sollen, darüber ein Quadrat bepflanzt mit Chinaschilf mit zwölf Eingängen, die in jede Himmelsrichtungen drei Eingänge bieten, als Symbol für die Stadt Jerusalem.

Kalvarienberg symbolisiert Christentum

© Stift Altenburg
Im westlichen Teil des Gartens wird die Kreuzigung Christi dargestellt.

Auf einem kleinen Hügel befindet sich die Nachbildung des Kalvarienbergs, der das Christentum im Garten der Religionen symbolisieren soll. Im Westen der Gartenanlage steht ein Sandsteinkreuz mit der Darstellung der Kreuzigung. Vom Fuße des Kreuzes fließt über eine Sandsteinanlage Wasser nach unten, alte Grabplatten mit unterschiedlichen Längen wurden verlegt, die den Lebensweg ausgehend von der Taufe nachzeichnen sollen.

Unterhalb des Kalvarienbergs befindet sich das Feld für den Islam. Der Weg ist aber nicht ohne Hindernisse, "und das bewusst", so Pater Michael Hüttl, "denn zwei Rosensträucher sollen den Weg erschweren. Nostra Aetate fordert von uns Friedensengagement ein", erklärt der Benediktiner.

Salettl als Zeichen des Paradieses

© Stift Altenburg
Im Salettl befinden sich die wesentlichen Gebetsutensilien der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften.

An einer Seite außerhalb der Gartenmauer befindet sich ein kleines Häuschen, das so genannte "Salettl". Es soll das Paradies darstellen, denn so Pater Michael, "das Paradies ist eigentlich religionslos". Er begründet dies mit dem "Seher von Patmos" in der Offenbarung des Johannes, "der in der biblischen Stadt keinen Tempel sieht, denn Gott wohnt in ihr". Im oberen Stock des "Salettls" befinden sich in einer Pyramide, auf der ein Globus aufgesetzt ist, die wesentlichen Gebetsutensilien der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften: Rosenkränze, muslimische Gebetsschnüre, aber auch tibetische und buddhistische Gebetsschnüre finden sich darin.

Zusätzlich zum "Garten der Religionen" erwarten die Besucher auch ein Waldviertler Kinderspiel-Garten, ein Baumkreis und ein naturnaher Bereich mit einem großen Teich.

Der "Garten der Religionen" ist täglich bis 1. November geöffnet. Informationen gibt es unter der Telefonnummer 02982/345114 oder auf der Homepage www.stift-altenburg.at.

Radio-Tipp:

© RSD

Die Perspektiven am Donnerstag, 24. August 2006, bringen um 19.00 Uhr eine akustische Führung durch den "Garten der Religionen" mit Pater Michael Hüttl von den Benediktinern des Stiftes Altenburg. Eine Sendung von Stefan Hauser.

Weitere Artikel:

Kulturausflüge auf Stephanscom.at

(sth)

24.08.2006


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