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- 09.02.10

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Ora et labora et lege
© Stift MelkAuf dem "Benediktus-Weg" im Stiftspark von Stift Melk erfährt man wichtige Lebensweisheiten aus den Mönchsregeln des heiligen Benedikt. "In seinen Regeln kommt ein demokratischer Geist zum Ausdruck", erklärt Pater Martin Rotheneder im Kulturausflug auf 107,3.

Hoch über der Donau thront das Benediktinerstift Melk. Es handelt sich um die größte Klosteranlage des österreichischen Barocks. Allein der Südflügel mit seinem prächtigen Marmorsaal ist über 240 Meter lang. Vor der Stiftspforte befindet sich rechter Hand der Stiftspark. Im Jahr 2000 wurde er revitalisiert. Seitdem können ihn auch die Besucher des Stiftes betreten. Zwischen 250 Jahre alten Linden schlängelt sich ein Pfad, auf dem man Lebensweisheiten und Glaubenshaltungen eines für die Benediktiner wichtigen Mannes erfährt, des heiligen Benedikt. "Im Gehen kann man die wichtigsten Gedanken von Benedikt meditieren", erklärt Pater Martin Rotheneder vom Stift Melk die Idee der Anlage.

Fortschrittlicher Ordensgründer

© Melk
Stift Melk vom Stiftspark aus gesehen.

"Benedikt war der Erste, der ordnete, wann die Mönche beten, arbeiten und studieren sollen. Er will mit seinen Regeln den ganzen Menschen ansprechen, den Geist, die Seele und den Körper", berichtet Pater Martin. Die Regeln des heiligen Benedikt seien für die damalige Zeit sehr fortschrittlich gewesen, sagt der Benediktinerpater. In ihnen komme ein demokratischer Geist zum Ausdruck, der in der damaligen Zeit eher ungewöhnlich war.

Kein Übel der Habgier

Zwölf Stationen hat der Benediktusweg im Stiftspark von Stift Melk. Station 3 ist dem bekannten benediktinischen Grundsatz "ora et labora et lege" gewidmet. Pater Martin Rotheneder blättert die Aluminiumbuchseite um und erklärt: "Die Arbeit soll man in Demut ausüben, sagt der heilige Benedikt. Und bei der Festlegung der Preise, wenn Mönche etwas produzieren und dann verkaufen, darf sich nicht das Übel der Habgier einschleichen." Pater Martin, der den touristischen Bereich im Stift Melk leitet, hat diese Anweisung seines Ordensgründers auch bei der Bemessung der Eintrittspreise ins Stiftmuseum berücksichtigt, wie er selbst bestätigt.

Viele Jahre Eremit

Benedikt von Nursia
Benedikt von Nursia kam aus einer wohlhabenden Familie und entschied sich für ein einfaches Leben.

Die Regeln des Ordensgründers Benedikt an seine Mitbrüder waren streng, aber nicht unveränderbar. Aus seiner persönlichen Erfahrung hatte er gelernt, dass Regeln keine starren Gesetze, sondern Leitlinien sein sollten. Der im italienischen Nursia geborene Sohn eines reichen Landbesitzers lebte einige Jahre völlig zurückgezogen als Eremit in einer Höhle. In dieser Zeit wurden immer mehr Menschen auf ihn aufmerksam und bald wurde er gebeten, dem nahe gelegenen Kloster Vicovaro vorzustehen. Benedikt willigte ein und versuchte, das Leben in dem Kloster neu zu ordnen. Dabei stieß er auf großen Widerstand der Mönchsgemeinschaft.

"Er war einfach zu streng. Daher haben die anderen versucht, ihn zu vergiften. Die Legende sagt, dass der Becher zersprungen und eine Schlange herausgekommen sei. Tiefenpsychologisch hat man diese Legende dahingehend gedeutet, dass es in Gemeinschaften manchmal die so genannten Giftspritzer gibt", erklärt Pater Martin Rotheneder.

Benedikt verließ die erste Gemeinschaft und gründete in Monte Cassino das erste Benediktinerkloster, in dem er im Jahr 529 die Benedictus-Regel verfasste. 

Ruhen im Park

© Stift Melk
Knorrige alte Bäume säumen den Benediktusweg im Stiftspark Melk.

Zwölf goldene Pulte mit Lebensweisheiten des heiligen Benedikt von Nursia, dem Ordensgründer der Benediktiner, passiert man auf dem Benediktusweg im Stiftspark Melk. In der dritten Etage des Parkes, vorbei an 250 Jahre alten Linden, endet er. Die Natur stellt ein emotionales Pendant zur Vergeistigung im Stiftsinneren von Melk dar. Dort die Bibliothek, da die Parkanlage. In der Nähe des Wasserbeckens steht ein kleiner Pavillon, aus dem Joseph Haydns "Schöpfung" zu vernehmen ist, interpretiert vom stiftseigenen Chor und Orchester. "Die Besucher können hier zur Ruhe kommen. Jede Minute, die sie im Park verbringen, ist eine gewonnene Minute ihres Aufenthaltes im Stift Melk", ist Pater Rotheneder überzeugt.

Radiotipp:

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Jeden Donnerstag im Sommer führen die Kulturausflüge von Radio Stephansdom zu Ausflugszielen in Österreich. Am Donnerstag, 19. Juli 2007, führt sie Michaela Necker durch den Stiftspark Melk, auf den Spuren des Benedikt von Nursia. Auf 107,3 um 19.00 Uhr.

Kulturausflüge 2007 auf 107,3:

"Gott will es!"

Anders Urlaub

Reisen im Kopf

(mn)

19.07.2007



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