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- 10.09.10

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Ein Stück Paradies - Der Nationalpark Kalkalpen lädt zur Einkehr
© Stephanscom.atDer Aufenthalt in den Bergen lässt Gnade spürbar werden, so der Priester und Wanderexperte Markus Schlagnitweit im Gespräch mit Radio Stephansdom. Die Kulturausflüge auf 107,3 führen am Donnerstag, 13. Juli 2006, in die Natur.

Der Nationalpark Kalkalpen liegt südlich der oberösterreichischen Stadt Steyr, am Nordrand der Alpen. 1997 wurde der Nationalpark gegründet, nachdem verhindert worden war, dass einige Täler für Staukraftwerke überflutet wurden. Betroffen von den Überschwemmungen wäre auch die Große Schlucht im Reichraminger Hintergebirge gewesen, durch die Hermann Jansesberger seine Besucher führt. Denn die Engstelle im Flusslauf des "Großen Baches" wäre ein geeigneter Platz für eine Talsperre. Doch zum Segen für Mensch und Tier hat man sich schließlich für eine ganz andere Lösung entschieden - den radikalen Naturschutz im Rahmen eines Nationalparks.

In der Natur Gott näher kommen

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Das Knabenkraut ist eine der zahlreichen Ordideenarten im Nationalpark.

Hermann Jansesberger ist nicht nur Nationalparkbetreuer, er ist Naturliebhaber aus ganzem Herzen. Seinen Blick für die kleinen Pflanzen und Tiere entlang des "Triftsteigs" im Reichraminger Hintergebirge, dem östlichen Teil des Nationalparks, will er auch den Gästen eröffnen. Am Wegrand wächst ein hellgrüner Stern, das fleischfressende Alpenfettkraut. Die klebrige Oberfläche der Blätter hält Insekten fest, deren Eiweiß die Pflanze "verdaut". Größere Tiere brauchen aber keine Gefahr zu fürchten vom Alpenfettkraut. Für Hermann Jansesberger ist die Natur ein Treffpunkt mit Gott. "Ich glaube, in dieser Umgebung haben die Menschen nur gute Gedanken. Es ist, wie wenn jemand etwas Schönes singt. Die fröhlichen Augen der Nationalparkbesucher machen mich sicher - hier werden keine schlechten Gedanken geboren."

Ein Bergausflug als Gnadenerlebnis

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Wasser und Kraft tankt man beim Ausflug in den Nationalpark Kalkalpen.

Der Priester und Weitwanderer Markus Schlagnitweit, Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs, kennt als Oberösterreicher den Nationalpark Kalkalpen gut. Vom Mont Blanc bis zum Olymp hat er inzwischen ungezählte Berge bestiegen, doch im Sengsengebirge, dem westlichen Teil des Nationalparks, hat er schon als Jugendlicher Bergtouren unternommen. "Die Kalkalpen sind vielleicht keine spektakuläre Gegend, sie haben auch keine riesigen Gletscher, aber sie sind von großer landschaftlicher Schönheit. Es ist gut, dass sie als ruhiger Raum der Natur erhalten bleiben." In den Bergen stoße er immer wieder an die eigenen Grenzen - vieles muss passen, was man selbst nicht organisieren kann. Das Wetter, die Bergkameraden, aber auch die eigene Kondition können oft nur als Geschenk verstanden werden. Gnade wird spürbar.

Der Steinadler ist hier zuhause

In unmittelbarer Nachbarschaft der "Ebenforstalm" nistet der Steinadler. Die Anzahl der Steinadler in einem bestimmten Gebiet, so auch im Nationalpark, bleibt immer konstant. Denn die Adler verteidigen ihr Revier. Enger Zusammenrücken geht bei diesem stolzen Vögeln nicht. Junge Adler, die in Österreich kein freies Revier finden, machen sich auf Platzsuche in anderen Ländern. Später im Leben versuchen sie jedoch die Rückkehr in die Heimat. Vielleicht ist inzwischen ja ein Revier frei geworden. Ein wenig erinnert die Lebensgeschichte der Anneliese Spanring an die Adler. Als Kind hat sie ihre Mutter schon auf die Alm begleitet. Später wollte sie die Welt kennen lernen und wanderte nach Holland aus. Doch 1997 hat sie sich ihren Traum erfüllt: In reiferem Alter wieder auf eine Alm zurück zu kehren.

Auch bewirtschaftete Almen gibt es im Nationalpark

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Anneliese Spanring arbeitet den Sommer über täglich 15 Stunden auf der Alm.

Heute bewirtschaftet Anneliese Spanring gemeinsam mit ihrem Mann die Ebenforstalm. Germnudeln sind eine Spezialität der Ebenforstalm, Ähnlichkeit haben sie mit den Buchteln. Fast ganz alleine erzeugt Anneliese Spanring alle Arten von Milchprodukten wie Topfen, Joghurt, Käse und bäckt auch herrliche Strudel aus den hausgemachten Zutaten. Täglich wollen die erschöpften Wanderer mit Brettljausen und Co. versorgt werden. Alles macht sie mit Begeisterung, wie sie sagt, und das ist auch zu spüren. "Es ist einfach ein Paradies hier. Die Natur gibt mir Kraft. Und die Arbeit für die Gäste, aber auch das Bedienen der Ausflügler, machen mir einfach Freude." Am Abend kommen noch ein paar Leute aus der Umgebung. Sie wollen ihrem Bürgermeister eine Freude machen und haben ihn zum Singen auf die Alm eingeladen. Erich und Maria Sieghartsleitner sind der Ebenforstalm besonders verbunden. Hier hat schon Marias Vater jahrzehntelang jeden Sommer gesungen - und gearbeitet. Von ihm hat Erich viele Lieder gelernt. Das Hausschwein, das kleine Baby, das gesamte Geschirr und anderer Hausrat mussten jedes Jahr auf die Alm gebracht und im Herbst wieder mit nachhause genommen werden, erzählt Erich Sieghartsleitner. Und dann wird noch ein wenig gesungen.

In der Natur verschieben sich die Prioritäten

Franz Sieghartsleitner ist beruflich und privat viel in der Natur. Der Kontakt zur Natur ist mehr als ein Job, das ist für ihn gewiss. Jeder Ausgang ins Freie bewirkt etwas im Leben. „Die Prioritäten verschieben sich. Ich werde gelassener. Was vorher noch wichtig war, verliert ein wenig an Bedeutung.“ Die Gelassenheit beobachtet er vor allem auch bei älteren Menschen, die mit der Natur leben. Daran nimmt sich der 44-Jährige gern ein Beispiel.

Tiefer als auf den Boden kann niemand fallen

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Die Verbindung zum Boden als Bild für die Gottesbeziehung - spürbar beim Wandern und Klettern

Jeder Schritt kann näher zu Gott führen. Diese Erfahrung hat der wandergeübte Markus Schlagnitweit gemacht. "Der Boden unter meinen Füßen ist für mich zum wichtigsten Bild für Gott geworden. Der Boden ist nicht Gott, aber ich vergleiche sie." Denn der Boden ist immer da. Tiefer als auf den Boden kann niemand fallen. Ich muss meinen Schritt dem Boden angleichen. Ein falscher Schritt, und ich stolpere. Aber der Boden kann nichts dafür. Eine Meditation empfiehlt Schlagnitweit für den Ausflug im Sommer: "Beim Gehen achte ich oft lange Zeit auf nichts anderes als auf den Kontakt meiner Füße mit dem Boden. Da ist eine Gegenwart, die mich trägt."

Radio-Tipp

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Donnerstag, 13. Juli 2006, 19.00: Der Nationalpark Kalkalpen. Ein Stück Paradies. Eine Sendung von Monika Slouk im Rahmen der "Kulturausflüge" jeden Sommerdonnerstag auf Radio Stephansdom 107,3.

(ms)

13.07.2006



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