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Für Christen und Christinnen ist die Bibel Heilige Schrift, Wort Gottes. Christen und Christinnen lesen die Bibel, um ihren Glauben zu vertiefen, um Gott näher zu kommen. "Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen," sagt der Kirchenvater Hieronymus. Dieser Satz verdeutlicht das Ziel jedes Bibellesens: In der Bibel begegnen Gott und Jesus.
In der Beschäftigung mit der Schrift eröffnen sich die Wurzeln des christlichen Glaubens. Alles, was Christen und Christinnen glauben und tun, hat seine Grundlage in der Bibel. Glauben kommt aus christlicher Sicht also nicht nur aus innerem Erleben, aus persönlicher Entscheidung (so wichtig das ist!), sondern "von außen": Christen und Christinnen vertrauen darauf, dass ihnen in der Schrift Gott selbst begegnet und sie vertrauen sich damit einer jahrhundertealten Tradition an.

Kinder lesen in der Bibel.
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In der katholischen Tradition ist die Liturgie der wichtigste und "eigentliche" Ort, wo das Wort Gottes in seiner Vitalität erfahren werden kann: Es wird dort, vor aller Reflexion und Diskussion, in Gemeinschaft gefeiert. Neben den "Tisch des Brotes", wie das zweite vatikanische Konzil die Kommunion bezeichnet, tritt der "Tisch des Wortes", der Wortgottesdienst mit seinen Lesungen (II. Vatikan. Konzil, Dei Verbum 21). Will man die Bibel mit den Augen des Glaubens verstehen, empfiehlt es sich, sie nicht wie ein Buch zu lesen, sondern offen zu sein für die Begegnung mit dem Wort Gottes, das durch die menschlichen Autoren in menschlicher Weise vermittelt ist. Daher bedarf es zum vollen und tieferen Erfassen der Schrift der kirchlichen Gemeinschaft und des Heiligen Geistes, der nicht nur die Autoren berührt hat, sondern auch in den Lesern und Leserinnen wirksam sein will. Was der Einzelne versteht, kann immer nur Fragment sein. Die Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen, die Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen und Auffassungen der Tradition, der Lehre und der Wissenschaft eröffnen weitere, oft widersprüchliche Perspektiven und zeigen, wie vielgestaltig die Wahrheit Gottes uns entgegenkommt. So ist es um der Wahrheit und Vielfältigkeit willen eine Verpflichtung, die eigene Sicht in diese Gemeinschaft und sie mit anderen ins Gespräch zu bringen - im Glauben, dass in dieser gemeinsamen Deutung und Feier des Wortes Gottes der Geist Gottes lebendig wirken kann.
Autorin: Agnethe Siquans
Assistentin am Institut für Altes Testament, Wien
18.09.2003
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