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- 10.09.10

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Du sollst nicht die Ehe brechen
© Stephanscom.atEheliche und familiäre Beziehungen sind zerbrechlich und brauchen Schutz. Sexualität ist ein schwieriges Thema. Das ist bis heute so und war auch vor 3000 Jahren nicht anders.

Ob eine Beziehung zwischen Mann und Frau gelingt, ist nicht nur eine Frage der Liebe und des guten Willens, sondern auch der politischen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen. Wer die Freiheit zu einer gelungenen Ehe bewahren möchte, ist daher gut beraten, sich an Regeln zu halten. Dies ist auch das Anliegen des 6. Gebotes: Wer seiner Familie durch die Zeiten hindurch Dauer verleihen will, kann nicht ohne Folgen ehebrechen. Wer Kindern guten Schutz in ihrer Familie ermöglichen will, kann nicht ohne Konsequenzen in eine andere Ehe einbrechen. Wer seine Liebe langfristig bewahren will, muss sie schützen und pflegen.

Ehebruch: eine soziale Frage auf Leben und Tod

Freilich hatten in der Zeit, als dieses Gebot formuliert wurde. Ehe und Familie ein anderes Gesicht. Ehe und Familie waren politisch relevante Größen, keine Privatsache. Es gab keine Klein-, sondern Großfamilien, "Clans", Sippen, die einander solidarisch unterstützen und komplex untereinander verbunden waren. So war ein Mann z.B. verpflichtet, die kinderlose Frau eines verstorbenen Bruders zu sich zu nehmen und mit ihr Kinder zu zeugen, um die Linie und den Namen des verstorbenen Mannes weiterzuführen (Dtn 25,5-10). Zudem waren Kinder waren so eine Art Sozialversicherung: Wer keine Kinder hatte, genoss niedriges soziales Ansehen und war im Alter von Armut bedroht. Auch schloss man Ehen primär aus politischen und ökonomischen Überlegungen, weniger aus Gründen romantischer Liebe. Doch legt auch das Alte Testament Wert auf die "Ganzheit" der Liebe. Gestörte und enttäuschte Liebe bringt namenloses Leid. Und bedroht waren auch die Ehen und Familien damals. Das Gebot richtet sich ursprünglich an Männer und verbietet ihnen, in eine andere Ehe einzubrechen, schützt also in einer patriarchalen Zeit, in der Frauen gesellschaftlich benachteiligt waren, besonders Frauen und Kinder (auch wenn diese damals für viele als Besitz galten). Freilich kann später auch die Frau die (eigene) Ehe brechen (Dtn 22,22 u.a.). Ehebruch ist zur damaligen Zeit eine Angelegenheit von gesellschaftlicher Brisanz. Wer die Ehe bricht, gefährdet die Legitimität der Nachkommen, der Erhaltung der Familie und ihres Besitzes, gefährdet also die Lebensgrundlage von Menschen. Ehebruch ist eine Frage von Leben und Tod. Es geht also beim 6. Gebot weniger um die Sexualität als um die sozialen Dimensionen des Ehebruchs.

Ehebruch heute: eine Frage von Liebe, Treue und Freiheit

Heute hat sich in Frage von Ehe und Familie vieles verändert. Wir sind frei, unseren Lebenspartner/in selbst zu wählen, Liebe ist die Grundlage für Eheschließungen geworden, die Sexualität ist weitgehend entdämonisiert. Einfacher und stabiler sind Ehen deshalb noch lange nicht. Wer heute eine Ehe schließt, lässt sich auf ein Abenteuer mit einem Menschen ein, das an die 50 - 60 Jahre dauern kann, das ist erheblich länger als anno dazumal. Frauen sind heute selbstbewusster und finanziell unabhängiger, daran müssen sich viele Männer erst gewöhnen. Individualität wird auf beiden Seiten großgeschrieben, der Kampf der Geschlechter prägt die Tagesordnung. Auch die Lebensformen und Erwartungen an die Ehe haben sich geändert. Ehekonflikte gelten als persönliche Angelegenheit. Männer und Frauen sind dabei zu lernen, wie man mit den neuen Freiheiten umgehen kann. So braucht es heute viele ergänzende Ideen und Regeln, es braucht Einübung und Kompetenz, damit Liebe, Treue und Freiheit in einer Ehe über ein Menschenleben lang bewahrt werden können. Es braucht politische, ökonomische, kulturelle Unterstützung.

6. Gebot: Spirituelle Dimension

Die Vorstellungen von Freiheit und Liebe in der Ehe kommen der sakramentalen Symbolkraft der Ehe sehr nahe: ist sie doch aus kirchlicher Perspektive ein verheißungsvolles Bild für die unbedingte Liebe und Treue Gottes zu seinem Volk (Jes 54,6-8; 62,4f)bzw. Christi zur Kirche (vgl. Eph 5,32). Wer die Ehe bricht, bricht mit Gott, weil er die Liebe verrät. Hier zeigt sich auch die spirituelle Dimension des 6. Gebots, das von Jesus Christus noch radikalisiert wurde: Hat das AT die Scheidung unter einer bestimmten Voraussetzung (Dtn 24,1-4) noch erlaubt (vgl. aber gegen eine Ehescheidung Mal 2,14-16), plädiert das NT für die unabdingbare Treue der Partner zueinander (Mt 5,27; Mk 10, 11). Möglich wird solche Treue mit Gottes Hilfe, nicht aus eigener Kraft: der Glaube, dass die eigene Ehe geheiligt ist und unter besonderem Schutz steht, kann helfen, so manche Ehekrise zu bestehen. Der Blick auf die eigene Ehe mit den Augen des Glaubens zeigt, wie zerbrechlich und wunderschön zugleich die Liebe Gottes zum Menschen sein kann. Die Ehe kann so ein Ort der Gotteserfahrung sein.

(Regina Polak)

11.02.2004



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