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- 30.07.10

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Das Sakrament der Buße
© RupprechtEin Mann sitzt im Bummelzug. Bei jeder Station steckt er den Kopf zum Fenster hinaus, liest den Ortsnamen und stöhnt. Nach vier oder fünf Stationen fragt ihn besorgt sein Gegenüber: "Tut ihnen etwas weh? Sie stöhnen so entsetzlich?" Da antwortete er: "Eigentlich müßte ich aussteigen. Ich fahre dauernd in die falsche Richtung. Aber es so schön warm hier drin."

Das ist eine menschliche Erfahrung: Auch wenn wir auf die Todgleise des Lebens driften: "Es ist so schön warm hier!"

Da helfen keine Detail-Korrekturen, keine kosmetische Oberflächenbearbeitungen. Da gilt es auszusteigen und einen neuen Anfang zu machen.

Aber wie? "Es ist doch so schön warm hier!" In Krisensituationen, Schuldverstrickungen, Leid und Unheil sind wir allein zu schwach.

Die Bibel berichtet uns vom liebenden Vater, der dem verlorenen, schuldig gewordenen Sohn entgegen eilt, ihn umarmt und in seine vollen Sohnrechte wiedereinsetzt; vom öffentlichen Sünder, auf den Jesus zugeht und ihn mit fast unhöflich direkten, aber zugleich sehnsüchtig suchenden Worten anspricht: "Zachäus, heute muss (!) ich bei dir zu Gast sein!" Die Bibel bezeugt einen Gott, der nicht darauf wartet, dass wir selbst unser Leben in Ordnung bringen, sondern nur sehnsüchtig erhofft, dass wir uns ihm öffnen - dann kann er heilen, vergeben, befreien, zu neuem Anfang führen.

© Rupprecht
Das Sakrament der Buße ermöglicht Vergebung, Umkehr und Neubeginn.

Diese Befreiung spricht - quasi als "Ostergeschenk" - der Auferstandene direkt aus: "Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie vergeben!" Wem die Kirche in der Autorität Jesus die vergebende Liebe Gottes zusagt, der ist nicht endgültig auf Schuld und Sünde festgelegt, der braucht sich nicht selbst aus etwas befreien, wo aus eigener Kraft sowieso kein Ausweg mehr ist... - dem ist die Befreiung von Gott verbindlich zusgesagt und versprochen!

Bei Gott die verfahrenen Bereiche des Lebens abzulegen, bei ihm das Herz auszuschütten, bei ihm die Belastungen abzuladen - sind nicht nur befreiende Erfahrungen. Wer glaubt - anders gesagt: wer auf Gott vertraut, der traut ihm auch zu, aus dem Scherbenhaufen des Lebens ein neues Kunstwerk zu machen.

Dies ist eine tiefe Erfahrung von Menschen, die in Beziehung mit Jesus stehen - seit Jahrhunderten. Das hat einen ganz besonders festlichen, verbindlichen und tiefen Ausdruck im Sakrament der Buße, in der Beichte:

Wenn ich mein Leben vor Gott zur Sprache bringe, wenn ich die Belastungen meines Lebens, meine Schulderfahrungen und Verfehlungen bei ihm abgeladen habe, tut es gut, durch den Priester die verbindliche Zusage Gottes zu hören: "Deine Sünden sind dir von Gott vergeben!"; da tut es gut, wie eine versöhnende Umarmung, die Handauflegung zu spüren. Nicht dass Gott mir ohne Beichte nicht verzeihen würde - aber es tut ganz einfach gut, es sich so deutlich und verbindlich zusagen und versprechen zu lassen!

In diesem Sinne steht auch das, was mit dem alten Wort "Buße" gemeint ist - ein erster Schritt, in diesem neuen, befreiten Leben wieder Fuß zu fassen. So kann die Buße ein bestimmtes Gebet der Dankbarkeit, wie auch eine konkrete Aktion sein, die als erster Schritt dieses "neuen" Lebens Hilfe gibt.

Das tiefe Erfahren dieser verzeihenden Liebe Gottes kann böse Kreisläufe durchbrechen, kann tiefsitzende Verkrümmungen heilen - denn: (gespürte und erfahrene) Liebe ist die beste Medizin!

(Pfarrer Gerald Gump)

08.09.2003



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