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- 30.07.10

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"Wie schafft der Schöpfer?" und "Was heißt 'geschaffen'?"
© RupprechtBeim zweiten Teil der Katechesenreihe zum Thema "Schöpfung und Evolution" setzt sich Kardinal Christoph Schönborn mit dem Schöpferglauben auseinander. Erschaffung sei kein erster Anstoß, sondern die souveräne Setzung des Seins überhaupt.

Am zweiten Katechesenabend am Sonntag, 13. November 2005, stellt Kardinal Christoph Schönborn den ersten Satz der Bibel "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde" an den Beginn seiner Überlegungen. Im Zentrum der Katechese standen dabei die beiden Fragen: "Was heißt 'geschaffen'?" und "Wie schafft der Schöpfer?" "Die wissenschaftliche Theorie vom Urknall ist heute allgemein anerkannt. Von einem höchst dichten Anfang hat das Universum begonnen, sich explosionsartig auszudehnen", so der Wiener Erzbischof.

Fragen der Zeit und des Raumes unerklärbar

© Grohmann
Kardinal Schönborn: "Viele Fragen bleiben rätselhaft."

Durch wissenschaftliche Beobachtung hätte sich die Theorie des Urknalls erhärtet. Dennoch würden viele Fragen rätselhaft bleiben, Fragen an die Vernunft der Forscher, so Kardinal Schönborn. Darunter: "Wohin expandiert das Universum? Es gibt ja keinen Raum außerhalb des gigantischen Raumes des Kosmos. Allein unsere Milchstraße ist 100.000 Lichtjahre groß. Jenseits davon gibt es keinen Raum", so der Wiener Erzbischof. Ein ebenso großes Rätsel sei die Zeitfrage. Die Zeit habe es vor der Zeit nicht gegeben. Sie sei mit dem "big bang" entstanden.

Gott ist kein Uhrmacher

Der erste Satz der Bibel "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" enthalte die Grundsätze des christlichen Glaubens. "Erstens: Der weise Gott hat alles ins Dasein gerufen. Zweitens: Er allein ist Schöpfer. Und drittens: Alles hängt von Gott ab, der Dasein schenkt." Dazu räumt der Wiener Erzbischof mit einem Missverständnis auf. Gott sei keine erste Ursache einer langen Kette von Ursachen. "Gott ist kein Billardspieler, der eine Kugel anstößt. Und er ist kein Uhrmacher, der die Uhr nur gelegentlich repariert."

Souveräner Schöpfer des Seins

© Stephanscom.at
Gott interveniert nicht gelegentlich. Sein Schöpfungsakt ist ohne Bewegung.

Die naturwissenschaftliche Methode würde bewusst auf die göttliche Intervention verzichten. Dieser Ausschluss sei aber kein methodischer Atheismus, so Kardinal Schönborn. Die Naturwissenschaft dürfe einen intervenierenden "Uhrmacher" nicht annehmen, sie suche nach Bedingungszusammenhängen, die bestimmte Abläufe erklären würden. Ganz im Gegenteil dazu stünde der christliche Schöpfungsglaube: "Wir glauben an einen Schöpfer, der nicht gelegentlich interveniert, sondern souveräner Schöpfer des Seins überhaupt ist. Er hat alles geschaffen und alles, was ist, ist geschaffene Wirklichkeit", hält der Wiener Erzbischof fest.

Eigenständigkeit der Menschen als Geschenk

Der Schöpfungsakt Gottes sei ohne Bewegung und gestalte nichts Vorgegebenes. Er hebe sich dadurch von den Göttern der Schöpfungsmythen anderer Religionen ab. Sie würden Bestehendes umgestalten, sind Gestalter des Chaos und der Urmaterie. Schöpfer sei nur der Gott der Bibel: "Der Schöpfungsakt Gottes ist ewig. Sein Anfang ist immer, für ihn gibt es keinen zeitlichen Anfang. Er schafft die Zeit", sagt der Wiener Erzbischof. Und Gott schaffe absolut frei. Seinen Geschöpfen habe er echte Selbstständigkeit gegeben. "Diese Eigenständigkeit ist das souveräne Geschenk des Schöpfers", so Kardinal Schönborn.

"Schöpfung und Evolution" - Themenschwerpunkt auf Stephanscom.at

Die letzte Katechese in diesem Jahr hält der Wiener Erzbischof am Sonntag, 4. Dezember 2005, unter dem Titel "Er schuf jedes nach seiner Art. Die Vielfalt der Geschöpfe: Spiel der Natur/Gottes Plan?".

Die Katechesenthemen und die Termine können Sie hier als PDF downloaden.

Radiotipp:

© RSD

Eine ausführliche Zusammenfassung der Katechesen vom Sonntag, 13. November 2005, über Gott als souveränen Schöpfer können Sie am Montagabend, 14. November 2005, ab 19.00 Uhr in den "Perspektiven" auf Radio Stephansdom hören.

(mn)

14.11.2005

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