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- 22.03.10

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Schönborn: Evolution und Schöpfungsglaube kein Widerspruch
© AlpbachDer Wiener Erzbischof kritisiert beim "Forum Alpbach" die Engführung der Evolutionismus-Debatte: "Wirkliche Wissenschaft muss von Ideologie unterschieden werden", so der Kardinal in seinem Vortrag im Erwin-Schrödinger-Saal in Alpbach.

"Die Möglichkeit, dass sich der Schöpfer auch des Instrumentes der Evolution bedient, ist für den katholischen Glauben durchaus annehmbar", betonte Kardinal Christoph Schönborn am Freitag, 25. August 2006,  in einem Vortrag beim Europäischen Forum Alpbach in Tirol. Evolution und Schöpfungsglaube sind nach den Worten des Wiener Erzbischofs keineswegs ein Widerspruch. Für den Kardinal ist es eine "Engführung, ja geradezu eine Karikatur", die seit mehreren Monaten geführte Evolutionismus-Debatte auf einen Konflikt zwischen "Evolutionisten" und "Kreationisten" zu reduzieren. "Dies gilt umso mehr als die kreationistische Position auf einem Bibelverständnis basiert, das die katholische Kirche nicht teilt", erklärte Kardinal Schönborn.

Klarheit in die Debatte bringen

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Kardinal Schönborn: "Es muss mit den Mitteln der Naturphilosophie mehr Klarheit in die Debatte gebracht werden."

Kardinal Schönborn bezeichnete es in der laufenden Diskussion als vorrangige Aufgabe, mit den Mitteln der Naturphilosophie mehr Klarheit in die Debatte zu bringen. "Es ist zu fragen, wo in Darwins Theorie und ihren Weiterentwicklungen wirkliche Wissenschaft am Werk ist und wo es sich um weltanschauliche, ideologische Elemente handelt, die wissenschaftsfremd sind", so der Erzbischof. Und es müsse erlaubt sein, an den "ideologischen" Seiten des Darwinismus sachliche Kritik zu üben. Es stimme zweifellos, dass der genetische Code des Menschen sich nur geringfügig von jenem des Schimpansen unterscheidet. "Und dennoch könne "nur der Mensch auf die Idee kommen, seinen genetischen Code zu erforschen, und den des Schimpansen dazu", so der Kardinal.

Emotional vertretene Theorie

Kardinal Schönborn gab auch seinem Befremden darüber Ausdruck, dass der "Evolutionismus" mit seinem ideologischen Materialismus fast so etwas wie eine "Ersatzreligion" geworden sei: "Wieso wird er oft so aggressiv und emotional vertreten?", so Schönborn. "Es gibt zur Zeit wohl keine wissenschaftliche Theorie, gegen die es so viele schwerwiegende Einwände gibt und die dennoch von vielen als völlig sakrosankt verteidigt wird", so der Kardinal. Der ideologische Evolutionismus sei nicht umsonst die "wissenschaftliche Verbrämung sowohl des Kommunismus wie des Nationalsozialismus" gewesen, warnte der Erzbischof vor den Gefahren einer solchen Position. Heute zeige sich diese Ideologie im wirtschaftlichen Sozialdarwinismus, der einen schrankenlosen wirtschaftlichen "Kampf ums Dasein" rechtfertigen will.

Der Kardinal äußerte die Überzeugung, dass entscheidende Fortschritte in der Debatte um die Evolutionstheorie nicht auf der Ebene der Naturwissenschaften, auch nicht der Theologie zu erzielen sein werden, sondern auf der Ebene der Naturphilosophie, letztlich der Metaphysik.

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(red/PEW)

25.08.2006

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