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- 19.03.10

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Von der Darwins- und der Jakobsleiter
© Stephanscom.atKardinal Christoph Schönborn schließt seine Katechesenreihe zum Thema Evolution ab. Am letzten Katechesenabend sprach er auch von den gefährlichen Auswirkungen des Neodarwinismus.

Am 7. Juli 2005 schrieb Kardinal Christoph Schönborn für die US-amerikanischen Tageszeitung New York Times einen Kommentar und löste damit eine Debatte um Schöpfung und Evolution aus. Im Zentrum der Diskussion stand und steht die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Forschung schließe diese Frage im Allgemeinen aus, sagte Kardinal Schönborn zu Beginn seines letzten Katechesenabends zum Thema "Evolution" am Sonntag, 18. Juni 2006, im Wiener Stephansdom. Von der Naturwissenschaft könne man keine Antworten auf die letzten Fragen nach dem Woher und Wohin erwarten. "Es sind die Fragen, die uns als Menschen bewegen. Um Antworten zu finden, haben wir das Licht der Vernunft, gestärkt durch das Licht des Glaubens", so Kardinal Schönborn.

Auf- und Absteigen der Schöpfung

© Stephanscom.at
Dem Jakob träumte es von einer Leiter, auf der Menschen vom Himmel herabsteigen.

Als Grundlage seines Verständnisses von Schöpfung und Evolution stellt der Wiener Erzbischof einen Gedanken des Theologen und Biologen Joachim Illies vor: "Er spricht von zwei Leitern, der Darwinsleiter und der Jakobsleiter. Von letzterer träumte Jakob. Sie geht bis in den Himmel hinauf und Leute steigen hinauf und herab. Die Darwinsleiter, meint Illies, sei das aufsteigende in der Natur, von der kleinsten Zelle bis zum Menschen. Die Jakobsleiter ist die herabsteigende, von Gott kommende, schöpferische Kraft. Die Evolution hat eine aufsteigende Bewegung, Gottes Schöpfergeist eine absteigende. Christus selbst ist die Mitte der beiden Bewegungen, als wahrer Gott und wahrer Mensch" erklärt Schönborn.

Biblische Geschichte abgelöst?

© Grohmann
Schönborn: "Darwins Lebensgeschichte ist auch nur eine Geschichte."

Es scheine so, als ließen sich Schöpfunggeschichte und Evolutionstheorie nicht miteinander vereinbaren. Jahrhundertlang sei zunächst allein die Geschichte der Schöpfung erzählt worden, führt Kardinal Schönborn aus. "Noch heute wird im jüdischen Kalender die Zahl der Jahre seit Erschaffung der Welt gezählt. Mit den Entdeckungen der Moderne bekam diese Geschichte eine massive Konkurrenz. Die wissenschaftliche Weltgeschichte löste die biblische Geschichte immer mehr ab, machte sie zu einer Mythischen. Erst das Aufkommen von Darwins Lebensgeschichte hat diese scharfe Konkurrenzsituation gebracht."

Weg des Lebens kein Zufallsprozess

Was dabei oft vergessen werde, sei die Tatsache, dass es sich auch hier um eine Geschichte handle, so der Wiener Erzbischof. Nur kleine Teilstücke dieser Geschichte seien wissenschaftlich belegt. Dennoch habe sich diese Geschichte in unserer Gesellschaft zum vorherrschenden Weltbild etabliert und das gesellschaftliche Leben beeinflusst. "Es ist etwas Faszinierendes, immer tiefer in die Gemeinsamkeit der Bausteine des Lebens einzudringen. Es ist aber unsinnig, diesen grandiosen Weg des Lebens als bloßen Zufallsprozess zu bezeichnen." Gott sei nicht Konkurrent der Schöpfung, sein Wirken behindere nicht die Freiheit der Schöpfung, zeigte sich der Kardinal überzeugt.

Designer Gott abgelehnt

Bioethik
Die Bioethik als Auswirkung des ideologischen Darwinismus.

Auswirkungen des ideologischen Darwinismus beschreibt Kardinal Schönborn in drei gesellschaftlichen Bereichen, darunter die neoliberale Wirtschaftsentwicklung und ihre Orientierung an neodarwinistischen Modellen. Auch im Bereich der Pädagogik zeige sich eine starke Prägung durch den Darwinismus: "Die Biologisierung der Bildungskonzepte macht große Sorge. Mobilität und Flexibilität stehen hoch im Kurs, aber die katholische Soziallehre warnt vor einer übermäßigen Ökonomisierung und Fitness-Orientierung der Bildungsfrage." Die Grundaufgabe von Schule und Bildung sei es, auch zurm Widerstand zu erziehen. Auch das umstrittene Areal der Bioethik führt der Wiener Erzbischof als Auswirkung des ideologischen Darwinismus an: "Die evolutionistische Ideologie lehnt den Designer 'Gott' ab, der Mensch nimmt das Projekt Evolution in die Hand."

Logos und Agape am Anfang und am Ende

Im Mittelpunkt müsse das Staunen um die Größe des Schöpfers stehen, hielt Kardinal Schönborn zum Schluss seiner letzten Katechese fest. "Die Darwinsleiter mit ihren wunderbaren Entdeckungen, vor allem im Bereich der Genetik, hat uns faszinierende Einblicke in den Aufstieg des Lebens gegeben. Aber wir brauchen dazu auch die herabsteigende Jakobsleiter, die Himmel und Erde verbindet." Von Anfang an sei der Geist Gottes über allem geschwebt. Logos und Agape, Vernunft und Liebe, seien der Stoff aus dem die Welt geworden sei und auch vollendet werde.

Evolutionsdebatte und Katechesen auf Stephanscom.at

(mn)

19.06.2006

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