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- 02.09.10

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"Macht Euch die Erde untertan!"
© Rupprecht@kathbild.atKardinal Christoph Schönborn ging in der achten Katechese der Reihe "Schöpfung und Evolution" auf die Schöpfungsverantwortung ein. Die Aufforderung "Macht Euch die Erde untertan!" sei heute leicht falsch zu verstehen, es gehe aber unmittelbar um die Schöpfungsordnung.

"Macht euch die Erde untertan!" Der Satz aus dem ersten Kapitel der Bibel, Genesis 1, Vers 28, sei einer der umstrittensten, erklärte Kardinal Christoph Schönborn zu Beginn der achten Katechese am Sonntagabend, 14. Mai 2006, im Wiener Stephansdom. Kritiker, die das Christentum als konservativen Bremsklotz bezeichnen, seien hinlänglich bekannt. Hier aber sei die Kirche plötzlich der "üble Fortschrittmacher, der mit biblischer Begründung die totales Ausbeutung der Natur rechtfertigt", zitierte der Wiener Erzbischof aus den Münchner Predigten von Kardinal Josef Ratzinger.

Was sagt das Bibelwort wirklich?

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Kardinal Schönborn sprach über die Schöpfungsverantwortung.

In dem Bibelwort "Macht euch die Erde untertan", das vor 2.500 Jahren niedergeschrieben wurde, gehe es wirklich um das Herrschen, so der Kardinal. Allerdings wurde die Herrschaft allen Menschen gegeben und nicht einigen wenigen. Und aus diesem Fakt leite sich eines der Grundprinzipien der katholischen Soziallehre ab: "Die Güter der Schöpfung sind für das gesamte Menschengeschlecht bestimmt." Und: Dem Menschen ist Herrschaft über die ganze Schöpfung anvertraut, insofern er sich nicht über andere Menschen stelle. "Einer der Grundsätze christlicher Ethik ist es, den anderen immer als Subjekt und nie als Objekt zu betrachten", betonte Kardinal Christoph Schönborn.

Schöpfungsordnung und Rangordnung

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Tiere sind Geschöpfe Gottes, heißt es im Katechismus.

Die Frage die sich stelle sei aber, welche Art von Herrschaft der Mensch ausüben solle. Kardinal Ratzinger habe in seinen Münchner Predigten gesagt: "Der Auftrag des Schöpfers an den Menschen heißt, dass er die Welt der Schöpfung Gottes in Rhythmen und in der Logik der Schöpfung pflegen soll." "Man müsse die Sprache der Schöpfung wahrnehmen und dürfe die Schöpfung nicht gegen sich selbst kehren, so der Wiener Erzbischof. Und genau das sei der kritische Punkt. "Hat die Schöpfung eine vernehmbare Sprache? Gibt es eine Schöpfungsordnung die es zu achten gilt? Das wird heute vielfach in Frage gestellt", hielt Kardinal Christoph Schönborn fest.

Durch die Sein-Vorgaben des Schöpfers müssen sittliche und andere Konsequenzen gezogen werden. "Aber das widerspricht der vorherrschenden Sicht von Weltbeherrschung als freie Selbstbestimmung", führte Kardinal Schönborn aus und verwies auf die zahlreichen Proteste, die es bei der Veröffentlichung des Katechismus hagelte. "Die moralischen Hinweise betreffend des Tierschutzes im Katechismus etwa wurden angefeindet", erinnert Kardinal Schönborn. Dabei gehe es im Katechismus darum die in der Schöpfungsordnung vorgesehene Rangordnung einzuhalten, so der Wiener Erzbischof: "Jedem ist klar, dass es Unrecht ist, wenn ein Vater den Hund, statt dem hungrigen Baby füttert."

Den ethischen Kompass ausrichten

Bei dieser Debatte gehe es allerdings nicht um die Frage des Rückschritts in das Mittelalter durch katholischen Dogmatismus oder den Fortschritt der Wissenschaft, sondern um die Grundfrage ethischer Orientierung. "Wo ist unser Kompass?", fragte der Kardinal. Der sei nur durch erneute Schöpfungsverantwortung, durch die konkrete Verwirklichung des Schöpfungsauftrages, findbar. "Macht euch die Erde untertan", aber nicht in eigener Vollmacht, sondern im ständigen Hören und Schauen auf das, was der Schöpfer durch seine Schöpfung mit auf dem Weg gibt.

Um diese große Herausforderung "Schöpfungsverantwortung" geht es auch in der letzten Katechese der Reiche "Schöpfung und Evolution" am 18. Juni 2006 ab 20.00 Uhr im Wiener Stephansdom, versprach Kardinal Christoph Schönborn.

Radiotipp:

© Radio Stephansdom

Eine Zusammenfassung der achten Katechese Kardinal Schönborns hören Sie am Montagabend, 15. Mai 2006, um 19.00 Uhr auf 107,3.

(red)

15.05.2006

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