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- 30.07.10

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Glaube und Vernunft widersprechen einander nicht
© RupprechtDer Wiener Erzbischof betont in ORF-Interview, dass es letztlich um eine "Sachfrage" geht, nicht um die "Beweisbarkeit" eines Schöpfergottes. Der Wiener Philosoph Pöltner betonte, dass Theologie und Naturwissenschaft keine Alternativen zueinander seien.

Die Evolutionismus-Debatte sollte nach Ansicht von Kardinal Christoph Schönborn weniger "ideologisch und mehr mit Sachargumenten statt Schlagworten" geführt werden. Dies betonte der Wiener Erzbischof am Montagabend, 18. Juli 2005, in der ORF-Radio-Sendereihe "Praxis - Religion und Gesellschaft". Zugleich betonte der Kardinal, dass er sich grundsätzlich über die Debatte freue. Es sei positiv, "dass wir über wesentliche Dinge diskutieren".

Diskussion auf Sachebene führen

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Kardinal fordert, die Diskussion auf Sachebene zu führen.

In den USA würden jedoch die Diskussion offener geführt werden. "In den USA zählt die Kraft der Argumente und nicht untergriffige Unterstellungen wie 'Kulturkampf' oder 'Rückschritt hinter die Aufklärung'", so Kardinal Schönborn. Letztlich gehe es um eine Sachfrage, darum bitte er seine Kritiker auch auf der Sachebene zu bleiben, betonte der Wiener Erzbischof. "Die Frage, ob die Entstehung des Lebens und der gewaltige Prozess der kosmischen Evolution ein reiner Zufallsprozess ist, oder ob es so etwas wie Ordnung und Vernunft in diesen Vorgängen gibt", sie die wesentliche Frage, um die es gehen solle. Dabei stehe die Evolution an sich außer Streit: "Ich glaube mit einem Großteil der Wissenschaft, dass das Phänomen Evolution eine sehr große Wahrscheinlichkeit für sich hat", sagte Kardinal Schönborn dazu. Evolution sei eine "Hypothese, für die vieles spricht". Es gehe nicht um die "Beweisbarkeit" eines Schöpfergottes, sondern darum, "ob man sich wissenschaftlich damit begnügen kann, alle Vorgänge vom Urknall bis hin zu den höchst komplexen Formen des Lebens auf der Erde mit dem neodarwinistischen Modell von Zufall und Selektion zu erklären".

Glaube interpretiert anders

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Es ist klar, dass Atheist und Glaubender anders interpretieren, formuliert der Wiener Erzbischof zur Evolutionsdebatte.

Nach den Worten des Kardinals stoßen Wissenschaftler bei ihren Forschungen an eine "Grenze, wo es nicht sinnvoll ist, nur von Zufall zu sprechen". Die Frage des Erkennens von Plan und Vernunft im Gesamtprozess der Evolution sei zunächst einmal eine wissenschaftliche und gar nicht so sehr eine theologische Debatte. Freilich stelle er - wie Schönborn sagte - immer wieder fest, dass auch bei Wissenschaftlern ihre eigene Weltanschauung mit einfließt; ein überzeugter Atheist werde Phänomene anders lesen als jemand, der an einen Schöpfer glaubt.

Naturwissenschaft keine Alternative zu Theologie

Auch für den Wiener Philosophen Günther Pöltner seien sich viele Naturwissenschaftler der methodischen Voraussetzungen ihrer eigenen Wissenschaft nicht mehr bewusst: "Die Naturwissenschaften, unter ihnen die Evolutionsbiologie, erforschten nach einer bestimmten Methodik einen eingeschränkten Ausschnitt der Wirklichkeit. Die biblische beziehungsweise theologische Rede von Schöpfung erfolge auf einer anderen Ebene als die naturwissenschaftliche Theorie, das eine ist keine Alternative zum anderen", betonte Pöltner. Und auf nichts anderes habe der Wiener Erzbischof hingewiesen.

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Pöltner betont die unterschiedlichen Theorien.

Die "Häme und Überheblichkeit", die manche Kritiker von Kardinal Schönborn aus dem naturwissenschaftlichen Bereich an den Tag gelegt hätten, "zeigt nicht den angeblichen Fundamentalismus des Kardinals auf, sondern die Unfähigkeit oder den Unwillen der Kritiker, ihre eigenen Voraussetzungen zu reflektieren", hob Pöltner hervor.

Hinter dem Wunder des Lebens steht ein Schöpfer

Kardinal Schönborn betonte, dass Glaube und Vernunft einander nicht widersprechen. Der Glaube sei ein "starkes Licht, das hilft, die Wirklichkeit deutlicher zu sehen, aber er ersetzt die Vernunft nicht". Der Glaube gebe keine Auskunft darüber, wie das Leben genau entstanden ist. Er besage vielmehr, dass hinter dem Wunder des Lebens ein Schöpfer steht, betonte Kardinal Schönborn. Das enthebe nicht der Mühe wissenschaftlicher Erforschung, wie das Leben funktioniert.

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(red/PEW)

19.07.2005

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