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- 02.09.10

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Diözese Wien seit 1469

Lage
Die Erzdiözese Wien in ihren heutigen Grenzen umfaßt das Bundesland Wien und die östliche Hälfte des Bundeslandes Niederösterreich (Viertel Unter dem Wienerwald und Viertel Unter dem Manhartsberg). Sie grenzt im Norden an die Diözese Brünn, im Süden an die Diözesen Graz-Seckau und Eisenstadt, im Osten an die Diözese Eisenstadt, sowie an die Erzdiözese Tyrnau-Bratislava und im Westen an die Diözese St. Pölten.

Die Erzdiözese Wien bildet zusammen mit den Suffraganbistümern St. Pölten, Linz und Eisenstadt die Wiener Kichenprovinz. Metropolit ist der Erzbischof von Wien.
Seit 1956 ist der jeweilige Erzbischof von Wien gleichzeitig auch Diözesanbischof für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich.

Herzog Rudolf IV (c) Dom- und Diözesanmuseum Wien Anfänge (bis 1500)
Bis zum 18. Jahrhundert unterstanden die Gebiete des heutigen Oberösterreich und weite Teile Niederösterreichs der Diözese Passau (errichtet 739). Durch die Bischöfe von Passau erfolgte seit dem Beginn des 11. Jahrhunderts auch der Aufbau der Pfarrorganisation in Niederösterreich. Noch unter den letzten Babenbergern (Leopold VI., Friedrich II.) setzten bald nach dem Jahr 1200 Versuche ein, in Wien ein eigenes Bistum zu errichten. Sie scheiterten aber am Widerstand der Passauer Bischöfe. Eine wesentliche Vorstufe für die kirchliche Trennung Wiens von der Diözese Passau wurde unter Herzog Rudolf IV. (1358-1365) erreicht: diesem gelang es, 1365 an der Stephanskirche in Wien, deren gotischen Ausbau er einleitete, ein exemptes (ein nicht der Diözesangewalt des Bischofs von Passau unterstehendes) Kollegiatkapitel (Vereinigung von Weltgeistlichen) zu gründen. Aufgrund der Bemühungen Kaiser Friedrich III. (1439-1493) wurde am 18. Jänner 1469 mit der Bulle "In supremae dignitatis specula" das Bistum Wien kanonisch errichtet. Die neue Diözese umfaßte bloß die Stadt, ihre Vorstädte und einige Dörfer der nächsten Umgebung mit zusammen drei Stadt- und 14 Landpfarren.

Das Recht, die Bischöfe von Wien vorzuschlagen (Nominationsrecht), wurde in der Gründungsbulle den österreichischen Landesfürsten zugesprochen. Diese hatten dieses Recht bis 1918 (Ende der Monarchie) inne. Seither erfolgt die Ernennung der Erzbischöfe von Wien ausschließlich durch den Papst.

Die Diözese wird zur Erzdiözese Wien (1500-1765)
Der erste in Wien residierende Bischof war Georg Slatkonia (1513-1522). Die rasche Ausbreitung des Protestantismus, wie auch die immer größer werdende Türkengefahr, - 1529 standen diese das erste Mal vor den Toren Wiens, - verursachte eine schwere Krise des kirchlichen Lebens. Wesentlichen Anteil an der sogenannten Gegenreformation hatte im Wien des 17. Jahrhunderts Kardinal Melchior Klesl (1598-1630).

Ab 1631 führten alle Bischöfe und Erzbischöfe der Diözese Wien bis 1918 den Reichsfürstentitel.
Bischof Kollonitsch © Bildarchiv der Östrreichischen Nationalbibliothek Wien Unter Bischof Sigismund von Kollonitsch (1716-1751) wurde Wien mit der Bulle "Suprema dispositione" vom 1. Juni 1722 zum Erzbistum erhoben. Als Suffraganbistum wurde ihm das Bistum Wiener Neustadt unterstellt. Zur Vergrößerung des Diözesangebietes der neuen Erzdiözese mußte das Bistum Passau im Jahr 1729 seine Pfarren im Viertel Unter dem Wiener Wald an Wien abtreten.

Der Josephinismus (1765-1800)
Die kirchenpolitischen Ideen des sogenannten Josephinismus, benannt nach Kaiser Joseph II (seit 1765 Mitregent, von 1780 bis 1790 Alleinherrscher), kamen unter Erzbischof Kardinal Christoph Anton Migazzi (1757-1803) in Österreich voll zum Tragen. Joseph II schöpfte die staatliche Kirchenhoheit voll aus und versuchte, das kirchliche Leben mittels zahlloser Verordnungen nach rationellen Gesichtspunkten umzugestalten. Klosteraufhebungen, Verbot der meisten Bruderschaften und Wallfahrten auf der einen, auf der anderen Seite Diözesan- und Pfarrerrichtungen, staatliche Neuordnung der Ehegesetzgebung und Verlegung der Priesterausbildung an das Generalseminar und anderes mehr waren die Folge. Der Erzbischof mußte alles hinnehmen. Auch der Protest von Papst Pius VI.( 1775-1799), der sich 1782 selbst persönlich nach Wien begab, brachte keinen Erfolg. Auch die heutige diözesane Struktur Österreichs geht auf Kaiser Joseph II. zurück, der keine ausländische Diözesangewalt innerhalb seiner Landesgrenzen dulden und die kirchlichen an die staatlichen Grenzen anpassen wollte. Die von Kaiser Joseph II. getroffenen Maßnahmen hinsichtlich Diözesaneinteilung, Klosteraufhebungen und Pfarrgründungen haben vielfach bis zur Gegenwart noch Geltung.

Klemensfenster in der Kirche in Tasovice (c) EDW Die Erzdiözese im 19. Jahrhundert
Unter Fürsterzbischof Sigmund Anton Hohenwart (1803-1820) konnte in Wien der Hl. Klemens Maria Hofbauer seine Tätigkeit im Dienste einer katholischen Erneuerung und Wiederbelebung nach der Zeit des Josephinismus entfalten; er wurde zum Seelenführer des Wiener Romantikerkreises, dem Adelige, Gelehrte, Politiker, Dichter und Künstler angehörten, die das geistige Leben in Zukunft prägen sollten.

Während Staatskanzler Metternich und Kaiser Franz I. in der Kirche noch eine wertvolle Ergänzung des staatlichen Machtapparates erblickten, versuchte der junge Kaiser Franz Joseph, der im Jahr 1848 den Thron bestiegen hatte, die religiösen Kräfte zu einer Stütze des österreichischen Kaiserstaates zu machen. Die gemeinsame katholische Religion sollte die Völker des Reiches auch politisch enger verbinden und zugleich eine Abwehrfront gegen den deutlich spürbaren Einfluß des wachsenden Liberalismus bilden. Der Träger dieser neuen Kirchenpolitik war nun der frühere Erzieher des Kaisers, Joseph Othmar Ritter von Rauscher (1853-75), der seine priesterliche Formung dem Hl. Klemens Maria Hofbauer verdankte. In seiner Funktion als Erzbischof der Residenzstadt Wien wurde er zum Mittelpunkt der kirchlichen Erneuerung, wie auch zum Schöpfer und zum energischen Verteidiger des Konkordates von 1855. Obwohl Rauscher immer für eine eindeutige Romorientierung der österreichischen Kirche eingetreten war, war er doch auf dem Ersten Vatikanischen Konzil gegen die geplante Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit. Noch am Vorabend der Abstimmung sprach er sich dagegen aus und blieb konsequenterweise der Abstimmung fern. Die Verbindlichkeit der verabschiedeten Dekrete aber stand für ihn außer Frage.

Schwierige Tage in der Zwischenkriegszeit
In der besonders schwierigen Zeit nach dem Zusammenbruch der Monarchie war der ehemalige Propst des Augustinerchorherrenstiftes Klosterneuburg, Friedrich Gustav Piffl (1913-32) Erzbischof von Wien. In den Tagen einer völligen Neuorientierung erwies sich Piffl in erster Linie als Führer seines Klerus, der sich zum Teil nur schwer in einem Staat zurechtfinden konnte, der säkularisiert und ohne Existenzberechtigung zu sein schien. Darüber hinaus erwies er sich auch in der großen materiellen Not der Zwischenkriegszeit als großer Förderer der Caritasarbeit. 1918 entstand durch Prälat Ignaz Seipel und Hildegard Burjan in Wien die "Caritas socialis"; der Priesternot suchte man durch die ebenfalls 1918 erfolgte Gründung des "Canisiuswerkes" zu begegnen.
Der notwendig gewordene Neuaufbau der Seelsorge sollte die Erneuerung des österreichischen Katholizismus in die Wege leiten. So wurde in der Amtszeit Kardinal Piffls 1931 das bald über Österreichs Grenzen hinaus bekannte Wiener Seelsorgeinstitut (heute Österreichisches Pastoralinstitut) gegründet. 1927 genehmigten die österreichischen Bischöfe die Richtlinien für die, einem Aufruf Papst Pius XI. aus 1922 folgend, neu erwachsende Katholische Aktion.

Der zerbombte Stephansdom (c) Dom- u. Diözesanmuseum Unter der NS-Herrschaft und nach dem Ende des 2. Weltkrieges
Auf Piffl folgte im Herbst 1932 Theodor Innitzer als Erzbischof von Wien (1932-1955) . Er war vorher Professor für Neues Testament an der Universität Wien und Sozialminister unter Bundeskanzler Schober gewesen. Am 5. Juni 1933 wurde unter nicht unproblemati-schen Umständen das von Anbeginn an mit dem Schicksal des Ständestaates belastete Konkordat unterzeichnet. Die Zeitumstände waren nicht einfach: aus einer Situation einer tiefen Staats- und Demokratiekrise heraus, wurde im Jahr 1934 die Umwandlung Österreichs in einen autoritären Ständestaat vollzogen, welcher 1938 im Anschluß an das Deutsche Reich sein Ende fand. Gegen das Versprechen der freien Religionsausübung wurden den österreichischen Bischöfen Loyalitätserklärungen abgenommen, die Erklärungen propagandistisch ausgenützt, die Versprechungen nicht eingehalten. Vielmehr wurde die Ausübung der Seelsorge auf vielerlei Arten behindert, von kleinlichen Schikanen bis hin zu offenen Drohungen. Nach dem klaren "Nein" zur Zusammenarbeit im August 1938 spitzte sich die Lage zu und fand in dem sogenannten Sturm auf das Erzbischöfliche Palais am 8. Oktober 1938 ihren Höhepunkt. Durch Beschlagnahmungen und Enteignungen von Kirchengut leistete sich der Nationalsozialismus gewaltige Übergriffe auf das Kirchenvermögen. Als Ausgleich dafür wurde 1939 der Kirchenbeitrag eingeführt, in der Hoffnung, große Mengen zum Austritt zu bewegen. Nach Kriegsende wurde die katholische Aktion wieder neu belebt und von da an immer mehr als Ausgangsbasis und Instrument der Mitarbeit der Laien in der aktiven Seelsorge bestärkt.
Kardinal Innitzer erlebte Zerstörung und Wiederaufbau, bzw. Wiedereröff-nung des Stephansdomes im Jahr 1952.

Das 2. Vatikanum und die Erzdiözese Wien
Ihm folgte am 10. Mai 1956 der Bischofkoadiutor von St. Pölten, Franz König nach., der 1958 in das Kardinalskollegium aufgenommen wurde.
Die Regierungszeit Kardinal Königs war vor allem durch das von Papst Johannes XXIII. einberufene II. Vatikanische Konzil (1962-65) bestimmt, an dem der Kardinal wesentlich und führend beteiligt war. In den Jahren 1969-71 hielt er in Wien eine Diözesansynode ab, deren Aufgabe es war, die Leitlinien des Konzils auf die diözesane Ebene zu übertragen. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Einteilung der Erzdiözese Wien in sogenannte Vikariate (Vikariat Wien Stadt, Vikariat Unter dem Manhartsberg, Vikariat Unter dem Wiener Wald), um so den unterschiedlichen Strukturen der verschiedenen Teile der Erzdiözese besser Rechnung zu tragen.
In seiner Heimat hat der Kardinal die Arbeiterschaft mit der Kirche versöhnt und fortan konsequent die Kirche aus der Tagespolitik herausgehalten. Am 16. September 1985 nahm Papst Johannes Paul II. seine Resignation als Erzbischof von Wien an. Sein Nachfolger wurde 1986 wurde der Göttweiger Benediktinerpater Hans Hermann Groer.

Neun Jahre später wurde der bisherige Weihbischof der Erzdiözese Wien, P. Christoph Schönborn OP, zum Erzbischof von Wien ernannt. Seit dem 21. Februar 1998 ist er Mitglied im Kardinalskollegium.


Quelle: Dr. Annemarie Fenzl, Dr. Johann Weißensteiner (Diözesanarchiv der Erzdiözese Wien)



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