Zurück zur Startseite. Zurück zur Startseite. Zur Webseite von Radio Stephansdom.
- 30.07.10

 RSS, ATOM
 
Gedanken zum Evangelium am 6. Sonntag im Jahreskreis
© Stephanscom.at"Wenn Jesus die Notleidenden seligpreist, dann dürfen wir von ihnen nicht wegschauen. Dann müssen wir Gottes besonderen 'Sorgenkindern' auch unsere Sorge zuwenden. Ihre Not lindern. Eine gerechtere Welt mitbauen helfen", schreibt Kardinal Christoph Schönborn über das Sonntagsevangelium.

Wen Jesus selig nennt

Selig und arm - wie passt das zusammen? Reichsein und Glücklichsein - das scheint eher zu passen. Doch genau das verneint Jesus: "Weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost zu erwarten."

Und so geht es weiter: Jesus nennt die Hungernden selig, und die Trauernden und die Verfolgten. Wehe aber euch, die ihr jetzt satt seid, lacht und von allen Menschen gelobt werdet. Eure Zukunft schaut nicht gut aus.

Jesus hat das wohl öfters gesagt, an den vielen Orten, wo er zu den Menschen sprach. So etwa in seiner "Bergpredigt", an dem Ort, der heute noch der "Berg der Seligpreisung" genannt wird. Oder in der "Feldpredigt", von der der Evangelist Lukas heute berichtet. Ich frage mich beim Lesen dieser so scharfen Worte immer wieder: Wie haben die Menschen reagiert? Haben sie nicht protestiert? Waren sie denn gar nicht empört über diese völlige Umkehr aller gängigen Wertvorstellungen?

Es sieht eher danach aus, dass die Zuhörer seine Worte wie einen großen Trost, eine neue Hoffnung angenommen haben. Denn die meisten Menschen, die da von weither kamen, um ihn zu hören und zu sehen, waren bitterarm, hatten wenig zu lachen, kaum zu Essen und litten unter der Knute der römischen Besatzung. Für sie waren die Worte Jesu eine Verheißung voller Freude: Uns wird es einmal gut gehen! Die Satten und die Reichen werden aber leer ausgehen!

© Kronen Zeitung
Jesus sagt ihnen: Gott hat euch nicht vergessen!

Anders wurde und wird dieses Evangelium in unserer Zeit gelesen. Billige Vertröstung! So war der Vorwurf von Karl Marx gegen das Christentum, ja gegen die Religion überhaupt: Ihr versprecht den Armen eine bessere Zukunft - im Himmel! Und ändert nichts an der Not auf Erden! Statt die Armen mit dem künftigen Himmel abzuspeisen, sollt ihr sie mobilisieren, jetzt gegen ihr Elend, gegen ihre Unterdrücker und Ausbeuter zu kämpfen!

Und Friedrich Nietzsche, der Philosoph des "Gott ist tot", warf Jesus vor, er habe nur den Neid auf die Erfolgreichen, Gesunden, Starken geschürt, indem er alle Armen, Schwachen, Elenden seligpreist. Er sah das Christentum als die Religion der "Minderbemittelten", die den Bessergestellten ihr Glück nicht gönnen. Auf diese beiden Vorwürfe sehe ich zwei Antworten: Die erste: Es gibt, leider, immer noch und immer wieder Arme, Hungernde, Trauernde (denken wir an die Erdbebenkatastrophe in Haiti), Verfolgte. Jesus sagt ihnen: Gott hat euch nicht vergessen! Ihr seid in seinem Herzen. Er wird alle Tränen von euren Augen abwischen. Er wird euch das Glück schenken, das euch jetzt versagt bleibt.

Die zweite Antwort haben wir zu geben. Wenn Jesus die Notleidenden seligpreist, dann dürfen wir von ihnen nicht wegschauen. Dann müssen wir Gottes besonderen "Sorgenkindern" auch unsere Sorge zuwenden. Ihre Not lindern. Eine gerechtere Welt mitbauen helfen. Eben nicht auf später vertrösten, sondern jetzt handeln. Heute schon helfen!

Hier finden Sie das Evangelium zum Sonntag.
Bei Klick öffnet sich ein neues Fenster.


Übernommen von Radio Stephansdom. Diese Gedanken können Sie jeden Sonn- und Feiertag um 8.25 und um 21.45 auf Radio Stephansdom, 107,3 MHz, hören.

(red)

13.02.2010


Druckansicht

Zurück

Schwerpunkte
Thema Missbrauch
Kultursommer
Sommergespräche
Neuerscheinungen
Aktuelle Tipps
E-Mail-Beratung




Die Erzdiözese - Service - Glaube & Leben - Pfarren - Termine - Suche/Sitemap - Gottesdienstsuche

Katholische Kirche Wien - Erzdiözese Wien - Erzbistum Wien
Optimiert ab MS IE 5.X und NS 7.X mit 1024x768 Pixel