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- 30.07.10

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Wo man das Vaterunser im "Original" betet
© Stephanscom.atIn Wien leben rund 150 Familien mit assyrisch-orthodoxem Bekenntnis. Ihre liturgische Sprache ist Aramäisch, die Sprache Jesu. Radio Stephansdom-Redakteur Martin Paul hat sie besucht.

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Ashor Yakoob, hier mit seiner Frau, ist der Diakon der Gemeinde.

Wenn Ashor Yakoob das "Vater unser" betet, klingt dies in den Ohren vieler Österreicher wohl eher nach einer arabischen Koran-Lesung in einer Moschee. Das ist kein Wunder, denn der Diakon der  assyrisch-orthodoxen Kirche benützt als liturgische Sprache Aramäisch - ein mit dem Hebräischen und Arabischen verwandtes semitisches Idiom mit vielen Kehlkopflauten. Damit wandeln die Gläubigen dieser orientalischen Kirche auch sprachlich auf den Spuren Jesu, der selbst Aramäisch als Muttersprache hatte. 

Gemeinden in Wien und Linz

Seit 1994 besteht in Wien eine assyrisch-orthodoxe Gemeinde. Deren Mitglieder treffen sich jeden Sonntag in der katholischen Kirche Santa Maria de Mercede - also jener des Priesterseminars in der Boltzmanngasse - zum Gottesdienst. Rund 150 assyrisch-orthodoxe Familien leben in Wien, berichtet Lana Yakoob, die Frau von Diakon Ashor Yakoob: "Der Gottesdienst dauert eineinhalb bis zwei Stunden. Wir haben zwei Chorgruppen mit bis zu sechs Leuten. Nicht nur in Wien, sondern auch in Linz existiert eine assyrisch-orthodoxe Gemeinde."

Mission entlang der Seidenstraße

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Die junge Lena kennt sich in der Geschichte ihrer Kirche gut aus.

Die "Assyrische Heilige Apostolische Katholische Kirche des Ostens", wie sie offiziell heißt, führt sich auf die Missionstätigkeit des Apostels Thomas zurück. Ihr historisches Kerngebiet ist Mesopotamien und Persien. Ab dem späten fünften Jahrhundert waren die assyrischen Christen im persischen Sassanidenreich offiziell geduldet. Im Gegensatz zum Christentum im byzantinischen Reich erkannten sie die Lehre des Nestorius 484 als rechtgläubig an. In den folgenden Jahrhunderten entfalteten sie eine intensive Mission entlang der Seidenstraße, sodass in China und im Mongolenreich zahlreiche assyrische Gemeinden entstanden.

Ab dem Spätmittelalter schrumpfte die Kirche aber unter dem Druck von Islam, Hinduismus und Buddhismus, sagt Lena Eilia von der Gemeinde in Wien: "Infolge der Kreuzzüge haben sich viele assyrisch-orthodoxe Christen aus Angst vor Verfolgungen für andere Religionen entschieden." Der Name "assyrisch" erinnert an das altorientalische Volk der Assyrer, das von seinem Kerngebiet im heutigen Nordirak aus in der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends ein großer Reich errichten konnte. Auch das biblische Israel wurde von den Assyrern unterworfen, wovon viele Texte des Alten Testaments zeugen. Die assyrisch-orthodoxen Christen betrachten sich als Nachfahren dieses antiken Volkes.

Auf der ganzen Welt verstreut

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In der Kirche des Priesterseminars feiert die Gemeinde Gottesdienst.

Rund 400.000 Mitglieder zählt die Assyrisch-orthodoxe Kirche heute, und diese sind auf der ganzen Welt verstreut, so Lena Eilia: "Unsere Kirche ist im Irak, aber auch in den USA, Australien, Neuseeland und anderen Ländern verbreitet. Durch die Kriege in der Golfregion während der letzten Jahrzehnte sind viele Gläubige aus ihrer Heimat geflohen."

Nachdem das damalige Kirchenoberhaupt - bei den assyrisch-orthodoxen Christen lautet sein Titel Katholikos-Patriarch - in die USA emigrierte und 1964 eine Kalenderreform durchführte, kam es zu einer Spaltung. Heute gibt es zwei Katholikoi: Mar Dinkha IV. hat seinen Sitz in Chicago, Mar Addai II. in Bagdad. Geschichtlich eng mit der assyrisch-orthodoxen sind die syro-malabarische und die chaldäisch-katholische Kirche verbunden, die beide in einer Union mit Rom stehen. Assyrisch-orthodoxe Priester dürfen übrigens auch noch nach der Priesterweihe eine Ehe schließen.

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10.01.2006


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