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- 30.07.10

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"Zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt"
© Stephanscom.atIsidor von Sevilla hat formuliert: "Wenn wir beten, sprechen wir mit Gott. Wenn wir die Heiligen Schriften lesen, spricht Gott mit und zu uns." Eine Serie zu den Psalmen mit Anton Kalkbrenner, Bibelreferent der Erzdiözese Wien, auf Stephanscom.at.

Das Wort Psalm kommt aus dem Griechischen - psalmos - und bedeutet soviel wie: Lied, Gedicht. Ein Psalm wird vorgetragen oder nach einer bestimmten Melodie gesungen und von einem Saiteninstrument (= psalterion) begleitet.
Nun sind die Psalmen der Bibel, die in der Liturgie gerne "Zwischengesänge" genannt werden, Wort von Gott und Antwort des Menschen an Gott. Das ist nicht ein simples Frage-Antwort-Spiel wie in einem Kirchenlied: "Antwort auf alle Fragen gibt uns dein Wort". Die Bibel ist weniger fertige, abrufbare Antwort als Anfrage an Gott und Suche nach Gott.
Beim Propheten Jesaja 55,6 heißt es: "Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist." Das ist eine prophetische Aufforderung und nicht einfach "Suchen. Und finden".

Ver-dichten Psalmen das Leben?

© Pfarre Schwechat
König David werden die Psalmen als Urheber zugeschrieben.

Nach Gott fragen und ihn suchen ist besonders verdichtet in den Psalmen. Diese Gedichte und Gebete sind geschrieben worden für den Ernstfall des Lebens. Beim Psalmen-Beten soll das Leben aufleuchten und zum Lobpreis Gottes, dem Herrn des Lebens werden. Im Leben der Psalmen-Betenden soll Gott glänzen und aufstrahlen: Euer Leben sei ein Loben!
Martin Buber, der jüdische Religionsphilosoph und Psalmenübersetzer, nennt die Psalmen Lobpreisungen (hebräisch: tehillim = Preisungen).
So werden die Psalmen zu einer sprachlichen Gott-Suche, führen Gott und Mensch zusammen und verbinden Gott, Welt und Mensch untereinander.
Psalmen beten kann im Ernstfall des Lebens ein Dagegen-Anbeten, ein trotzdem Ja-Sagen, werden. Leid und Tod und die Widersprüche des Lebens lassen sich nicht in schöne Formeln gießen, sondern verlangen nach einer eigenen Sprache. Denn auch Gott offenbart sich gelegentlich ganz unspektakulär oder ungewöhnlich z.B. im abgrundtiefen Schweigen (bei Elija: 1 Kön 19,12) oder unter Mitteilung eines rätselhaften Namens: "Ich werde als der da sein, als der ich dasein werde" (Ex 3,14).
Darin stecken verschiedene Eigenschaften des schöpferischen, wirkmächtigen und treuen Gottes: er ist der verborgene und unverfügbare und zugleich der liebende und geliebte, der das Ziel menschlicher Sehnsucht bleibt. Auch - oder gerade - in der Klage spüren die Betenden seine Nähe. Der Psalter (= die 150 Psalmen der Bibel) ist voll von Klagen und Bitten.

Wozu hilft Psalmen sprechen/beten?

© Stephanscom.at
Anton Kalkbrenner, Bibelreferent der Erzdiözese Wien, führt in die Psalmen ein.

Wer Psalmen liest, findet in sprachloser beziehungsweise in von Wortdurchfall geplagter Zeit Worte für das Konkrete und das allgemein Gültige. Psalmen beten ist: Sein Herz ausschütten vor Gott und zu Gott und alle Lebenssituationen zur Sprache bringen. Die Bibel als Glaubens- und Lebensbuch schildert Freude und Leid, Erschaffung und Untergang, Freundschaft und Feindschaft, Wallfahrt und Thronbesteigung des Königs. Kein Thema wird ausgespart.
Daher sind Psalmen Gebete zwischen Himmel und Erde, einmal himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt. Als solche dienen sie auch dem Sprechen-Lernen mit Gott: Beten als Schule des Sprechens.

Nächste Woche lesen Sie im zweiten Teil der dreiteiligen Serie

Die Orte für das Psalmen-Beten, die Entstehung des Psalters, Vorläufer im Alten Testament und Nachdichtung im Neuen Testament - Themen und Zuordnung.

(ak)

02.02.2004

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