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- 06.09.10

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Missbrauch: "Null Toleranz" an katholischen Schulen
© kathbild.at/rupprecht"Es gibt bei uns, das darf ich auch für alle Schulerhalter sagen, null Toleranz bei Fällen von sexuellem Missbrauch", erklärt die höchstrangige Schulverantwortliche der Erzdiözese Wien, Schulamtsleiterin Christine Mann.

Mit einem einzigen Verdachtsfall von sexuellem Missbrauch an katholischen Privatschulen war die Leiterin des Schulamts der Erzdiözese Wien, Christine Mann, in ihrer fast 15-jährigen Amtszeit konfrontiert. Und der Schulerhalter habe damals "radikal und umgehend reagiert", berichtete Mann in einem Interview für die Montagausgabe, 15. Februar 2010, der Tageszeitung "Die Presse". "Es gibt bei uns, das darf ich auch für alle Schulerhalter sagen, dafür null Toleranz", so die höchstrangige Schulverantwortliche der Erzdiözese Wien.

Außerschulischen Bereich beachten

© Stephanscom.at
"Die Schulbehörden reagieren schnell und konsequent", so Mann.

Die Lehrer an konfessionellen Privatschulen seien in der Regel Bundes- oder Landesbedienstete, so dass die Entscheidung über die Vorgangsweise bei den staatlichen Schulbehörden liege: "Aber auch die reagieren schnell und konsequent und mit Blick auf die Kinder, natürlich auch in Kontakt mit der kirchlichen Oberbehörde", sagte Mann.

Zugleich lenkte Mann den Fokus auf einen bei der derzeitigen Diskussion oftmals unterschlagenen außerschulischen Bereich: jenen des familiären Umfeldes. Immer wieder seien kirchliche Schulerhalter mit Verdachtsfällen aus dem familiären Umfeld konfrontiert, das - in Kombination mit Alkohol - einen bevorzugten Ort von Übergriffen darstelle. Das werde in Österreich freilich "nicht so gern gehört", eher würden "anonyme Personen und Institutionen zu potenziellen Hauptsündenböcken gestempelt".

Ombudsstelle für Missbrauchsopfer

Den Opfern von Übergriffen bietet die seit 1996 eingerichtete "Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche" Therapieangebote. Diese zur Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen Behörden verpflichtete Einrichtung, die der Wiener Psychiater Johannes Wancata leitet, informiert aber auch über diverse außerkirchliche Anlaufstellen. Mutmaßliche Missbrauchsopfer werden insbesondere auch über die geltenden Verjährungsfristen unterrichtet. Aber auch den Beschuldigten macht die Ombudsstelle Möglichkeiten psychologischer und juridischer Hilfe zugänglich, erläuterte Mann.

Um sexuellen Missbrauch möglichst gar nicht erst geschehen zu lassen, habe die Erzdiözese Wien außerdem einen eigenen Behelf herausgebracht. Darin enthalten seien unter anderem Verhaltensregeln für den Umgang mit Kindern, Jugendlichen und besonders schutzbedürftigen Personen sowie die Anweisungen zur Vorgangsweise bei Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch.

Acht von 510 Fällen in der Kirche

© Ombudsstelle
"Wir tun nichts gegen den Willen der Opfer und garantieren ihnen absolute Anonymität", so Wancata.

Bereits in ihrer Samstagausgabe hatte die "Presse" von österreichweit acht im Vorjahr bekanntgewordenen Fällen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche berichtet, die allesamt in der Erzdiözese Wien bearbeitet worden seien. In sechs Fällen war das Delikt nach staatlichem Recht verjährt, in zwei Fällen seien kirchliche Laienmitarbeiter wegen Missbrauchsverdacht gegen minderjährige Mädchen angezeigt worden. Beide sind derzeit vom Dienst suspendiert, die Verfahren anhängig, so die "Presse".

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden in ganz Österreich im selben Zeitraum 510 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs außerhalb der katholischen Kirche eingebracht. Verjährung tritt bei sexuellem Missbrauch nach fünf, bei schwerem sexuellen Missbrauch nach zehn Jahren ein. Seit Mitte 2009 beginnt diese Frist mit Erreichung des 28. Lebensjahres zu laufen.

Ombudsstelle ist "kein Feigenblatt"

Wie der Wiener Ombudsstellen-Leiter Wancata gegenüber der "Presse" betonte, lasse er eine Causa auch beim Vorliegen einer Verjährung nicht auf sich beruhen. In einem der sechs gesetzlich verjährten Fälle von 2009 ging es um einen bereits verstorbenen Priester, ein anderer blieb im Ausland unauffindbar. In den übrigen vier Fällen des Vorjahres waren die Täter bereits in Pension, es gab teilweise Gespräche zwischen Tätern und Opfern oder finanzielle Unterstützung für eine Psychotherapie, so Wancata: "Wir tun nichts gegen den Willen der Opfer und garantieren ihnen absolute Anonymität." Daher mache er zu den einzelnen Missbrauchsfällen auch keine näheren Angaben.

Zu seiner Einrichtung meinte Wancata, er "habe nicht das Gefühl, dass wir als Feigenblatt missbraucht werden". Vonseiten der Kirche werde sehr klar und schnell reagiert, "die Kooperation mit der Erzdiözese läuft optimal". Verbesserungsbedarf ortet der Psychiater indes im Bereich Prävention. Die Zahl der Vorträge für Theologiestudenten und Fortbildungskurse für Priester soll aber erhöht werden.

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(red/KAP)

15.02.2010


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