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- 30.07.10

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Religiositätsverlust wirkt sich auch beim Militär aus
© Stephanscom.atMilitärbischöfe und Vertreter der Militärseelsorge aus ganz Europa berieten bei einer zweitägigen Enquete des Instituts für Religion und Frieden in Wien. "Die Reaktion der Kirche auf Säkularisierung darf nicht Resignation sein", so Kovacs, der Büroleiter des Päpstlichen Rats für die Kultur.

Die Säkularisierung in vielen Gesellschaften Europas wirkt sich auch im Bereich des Militärs aus - und zwar negativ: Die innerhalb der deutschen Bundeswehr angewandte "Dilemmata-Methode", bei der junge Offiziere einem Entscheidungstraining in konstruierten Konfliktsituationen unterzogen werden, zeige, dass aus christlichem Elternhaus stammende Soldaten "schneller und besser" entscheiden. "Deshalb bauen wir auf die Militärseelsorge und den ihnen übertragenen 'Lebenskundlichen Unterricht'", der in Deutschland Bestandteil der Ausbildung von Jungsoldaten ist, betonte der im deutschen Verteidigungsministerium tätige Reinhard Kloss bei einem Podiumsgespräch in Wien.

Der Gedankenaustausch war Bestandteil einer zweitägigen Enquete vom 15. bis 16. Oktober 2008 unter dem Titel "Säkularisierung in Europa – Herausforderung für die Militärseelsorge", die das "Institut für Religion und Frieden" in der Landesverteidigungsakademie in der Wiener Stiftgasse durchführte. Militärbischöfe und leitende Vertreter der katholischen Militärseelsorge aus zwölf Ländern waren der Einladung von Bischofsvikar Werner Freistetter gefolgt.

Reaktion nicht Resignation

© Institut für Religion und Frieden
Die Verantwortlichen für die Militärseelsorge in Europa berieten bei einer Enquette in Wien.

"Die Reaktion der Kirche auf Säkularisierung darf nicht in bloßer Resignation bestehen. Es gilt der Versuchung zu widerstehen, jeden kirchlichen Einfluss auf die Gesellschaft und Kultur zu leugnen. Christen sollen positiv und in dialogbereiter Haltung auf die Welt, in der sie leben, zugehen", mahnte Gergely Kovacs, der Büroleiter des Päpstlichen Rats für die Kultur, ein. Dabei zitierte Kovacs den katholischen englischen Schriftsteller Gilbert K. Chesterton, der auf eine Besonderheit der christlichen Ikonographie hingewiesen habe: Es würden Heilige dargestellt, "die ihre Augen der Welt öffnen, während die buddhistische Ikonographie jedes Wesen mit geschlossenen Augen darstellt".

Neue Offenheit für Sakrales

Der französische Militärbischof Patrick Le Gal wies auf jüngste Entwicklungen im Verhältnis zwischen Kirche und Staat in seiner Heimat hin: Die Kirche, jahrzehntelang vom Staat eher an den Rand gedrängt, werde nun vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy eingeladen, die weit verbreitete Hoffnungslosigkeit in der Gesellschaft zu lindern. Auch im Bereich der Militärseelsorge, so Bischof Le Gal, sei eine neue Offenheit für Sakrales festzustellen. Begriffe wie "Entsendung" und "Opfer" würden im Lichte der Einsätze der Armee neue Geltung erfahren.

Säkularisierung als Chance

© Rupprecht@kathbild.at
"Im Bereich der Militärseelsorge gibt es eine neue Offenheit für Sakrales", so Le Gal.

Zwei österreichische Theologen analysierten im Lauf der Enquete die Säkularisierung in Europa: Der Grazer Sozialethiker Leopold Neuhold kritisierte in seinem Vortrag die soziologische These vom allmählichen Verschwinden der Religion. Sinnvoller als das bereits

widerlegte "eindimensionale" Denkschema, wonach mehr Moderne weniger Religion bedeute, sei es, Säkularisierung als mehrdimensionalen Prozess zu verstehen. Sie äußere sich auf der Ebene der Gesellschaft, der Kirche, der Kirchengemeinde und des Einzelnen, führte Neuhold aus. Säkularisierung sei immer untrennbar mit Pluralisierung und Individualisierung verbunden. Im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils gelte es die "relative Autonomie irdischer Wirklichkeiten" anzuerkennen und die Säkularisierung als Herausforderung für das gesellschaftspolitische Handeln der Kirche zu betrachten.

Chance nützen, die christliche Botschaft zu vermitteln.

In seinen Ausführungen über "die Kirchen in Europa und die Säkularisierung" stellte Dietmar Winkler vom Fachbereich für Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte an der Universität Salzburg in Abrede, dass Westeuropa areligiös sei. Wohl aber gebe es Defizite der Kirchen im Umgang mit dem Phänomen der Säkularisierung. Kirchen sollten die Chance nützen, die christliche Botschaft aufgeklärten und mündigen Individuen zu vermitteln. Die Europa prägenden Werte seien wesentlich vom Christentum bestimmt, so Winkler. Der weltanschaulich neutrale Staat sei auf die sittliche Verantwortung der einzelnen Bürger angewiesen, "gerade deshalb müssen sich die Kirchen positiv und aktiv einbringen".

Winkler hob die Bedeutung der Orthodoxie in diesem Dialog auf dem pluralistischen Meinungsmarkt hervor, die durch ihre Selbstbestimmung ein Grundverständnis für die Einheit in der Vielfalt mitbrächten. Wertvoll sei auch der 1.300 Jahre alte Erfahrungsschatz der Ostkirchen im Umgang mit den Muslimen.

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(red)

17.10.2008


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