Zurück zur Startseite. Zurück zur Startseite. Zur Webseite von Radio Stephansdom.
- 19.03.10

 RSS, ATOM
 
"Kardinal Innitzer war kein Antisemit"
© RupprechtBei der Tagung "Widerstand in Österreich 1938-1945" im Wiener Parlament stellte die Wiener Diözesanarchivarin Annemarie Fenzl die Rolle Kardinal Theodor Innitzers während des NS-Zeit in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. "Es gilt, ein einseitiges Bild des Kardinals zurecht zu rücken", so Fenzl.

"Nachdem Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955) sogar als Naziverbrecher bezeichnet wurde, gilt es nun ein einseitiges Bild des Kardinals zurecht zu rücken", formulierte die Wiener Diözesanarchivarin am Mittwoch, 19. Jänner 2005, bei der Tagung "Widerstand in Österreich 1938-1945". Innitzer sei anders als zahlreiche andere Christlichsoziale seiner Zeit nie ein Antisemit gewesen, betonte Fenzl. Als Erzbischof von Wien habe er von Anfang an eine entschieden judenfreundliche Haltung eingenommen. Trotzdem müsse man festhalten, dass dem Kardinal unmittelbar nach dem Anschluss im März 1938 das Schicksal der Katholiken am Nächsten stand. Viele hätten sich persönlich an ihn gewandt, um Hilfe für ihre bereits inhaftierten Angehörigen gebeten.

Hilfe für "nichtarische Katholiken"

© Rupprecht
Kardinal Innitzer gründete Diözesanstelle für nichtarische Katholiken.

Fenzl wies in deutlichen Worten auf die von Kardinal Innitzer gegründete "Erzbischöfliche Diözesanstelle für nichtarische Katholiken" hin, die am 1. Juni 1940 ihre Arbeit aufnahm. Bald vor Schwierigkeiten gestellt, sorgte Erzbischof Innitzer für Räumlichkeiten im Erbischöflichen Palais. Die "Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Christen", wie sie fortan hieß, half den getauften Juden auf alle erdenkliche Weise. Zunächst bei der Ausreise aus Österreich, später bei der Beschaffung von Dokumenten, sie gab Beratung in Rechtsfragen oder vermittelte ärztlicher Hilfe. Am wichtigsten sei aber die seelische Betreuung der Ausgestoßenen gewesen, so Fenzl. Die Hilfsstelle stand nicht nur Katholiken, sondern allen Hilfesuchenden offen und hielt auch so lange wie möglich den Kontakt mit den nach Theresienstadt oder Polen Deportierten aufrecht.

Von den 23 Mitarbeitern der Hilfsstelle seien zwölf im Sinne der Nürnberger Gesetze Juden gewesen, so Fenzl. Acht von ihnen seien von den Nazis ermordet worden. Kardinal Innitzer sei ständig in engem Kontakt mit der Hilfsstelle und den Mitarbeitern gewesen. Er habe auch unermüdlich versucht, finanzielle Mittel für die Stelle aufzutreiben.

"Liebe ohne Grenzen"

© Rupprecht
"Innitzer verfasste ein mutiges Hirtenwort."

Die Diözesanarchivarin erinnerte auch an jene Verordnung aus dem Jahr 1941, nach der alle Juden öffentlich den Judenstern tragen mussten. Kardinal Innitzer habe sofort einen Hirtenbrief verfasst, in dem er alle Katholiken zur "Liebe ohne Grenzen" aufrief. Fenzl wörtlich: "Dieses Hirtenwort, das dann auf Betreiben der Gestapo nicht verlesen werden durfte, das aber trotzdem zur Kenntnis genommen wurde, ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Gesinnung Innitzers." Es sei ein mutiges Wort in jenen Tagen gewesen, als sich Hitler entschloss, die Menschen jüdischer Rasse in seinem Machtbereich auszumerzen.

"Als Einzelperson hat Innitzer zusammen mit seinem Team, welchem er die Arbeit in prinzipieller und finanzieller Hinsicht ermöglichte, Hunderten sogenannten nichtarischen Menschen das Leben gerettet."
Erschütternde Briefe aus Polen und Theresienstadt bewiesen, berichtet Fenzl aus dem Archiv der Erzdiözese Wien, dass der Kardinal mit Geschick versuchte, vielen Todeskandidaten die letzte Lebenszeit erträglich und würdevoller zu gestalten.

(red/gp)

20.01.2005


Druckansicht


Zurück

 
Schwerpunkte
Fastenzeit 2010
Passionswege
Thema Missbrauch
Neuerscheinungen
Aktuelle Tipps
Newsletter


 


Die Erzdiözese - Service - Glaube & Leben - Pfarren - Termine - Suche/Sitemap - Gottesdienstsuche

Katholische Kirche Wien - Erzdiözese Wien - Erzbistum Wien
Optimiert ab MS IE 5.X und NS 7.X mit 1024x768 Pixel