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- 02.09.10

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Das Sakrament der Eucharistie
© RupprechtDer große Eklat wirft seine Schatten voraus und zeichnet sich ab, er fühlt sich hin- und hergeworfen zwischen seinem tiefen Vertrauen in Gegenwart und Wirken Gottes einerseits und den sich immer stärke abzeichnenden Hasstiraden derer, die sein Sprechen und Handeln in der Vollmacht der Liebe Gottes nicht mehr aushalten. In diese Spannweite hineingestellt begibt sich Jesus nach Jerusalem, um mit den Seinen das Pessach, das alte Mahl der von Gott geschenkten Freiheit zu feiern.

Und als er dann Brot nahm, das große Lob- und Dankgebet sprach, es brach und den Seinen gab, gab er diesen einfachen Zeichen eine neue Bedeutung: "Das ist mein Leib!". Oder vielleicht etwas stimmiger übersetzt: "Das bin ich für euch!" Dann folgt "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Das hebräische Wort für "Gedächtnis" meint kein sentimentales Zurückdenken an längst Vergangenes, sondern ein gegenwärtig Machen. Sinngemäß wäre die Übersetzung deutlicher mit "Tut dies, dann bin ich mitten unter euch!"

© Rupprecht

Ohne, dass die Seinen die Tragweite dessen verstanden, was er da mit dem Brot tat, erlebte er am folgenden Tag dieses Schicksal selbst: Er wurde zerbrochen am Holz des Kreuzes – Gott war in der Welt gestorben. Als aber nach unendlichen Stunden der Todeserfahrung die Frauen am 3. Tag zum Grab kamen, war es leer. Immer stärker begann die Erfahrung zu wachsen, dass er lebt, dass er aufstanden ist, dass er in ihrer Mitte vollendet bleibt und Auferstehung bewirkt. Und dass genau dies in dem von ihm eingesetzen Feiern am Tiefsten spürbar wird.

So haben es die Apostel verstanden, so haben es die Jünger erlebt und die Jesus-Treuen zu feiern begonnen: Am ersten Tag der Woche, dem Sonntag, dem Auferstehungstag Jesu, als von ihm gerufene Gemeinschaft (Kirche) zusammenzukommen:

1) in den alten Schriften (Bibel) zu lesen und damit zu erfahren: Er selbst spricht zu uns.

2) seinem Auftrag gemäß Brot (& Wein) zu nehmen, Lob- & Dankgebete zu sprechen, das Brot zu brechen und zu essen (& den Wein zu trinken).

Genau dies bildet die Struktur der Heiligen Messe bis heute:

Im Wortgottesdienst hören wir biblische Lesungen, die durch die Predigt aktualisiert werden

Eucharistiefeier: Der Priester nimmt - wie damals Jesus - das Brot und Wein (Gabenbereitung), spricht das Lobgebet (Hochgebet – das griechische "eucharistein" = danken hat den Namen gegeben), bricht (nach dem hier eingeschobenen Gebet Jesu, dem Vater unser) das Brot und reicht es den Mitfeiernden (Kommunion).

Vor allem aber können darin Menschen bis heute erleben, dass dies nicht ein sentimentales Zurückerinnern an große Zeiten der Verangenheit ist, sondern Jesus, der Auferstandene, hier selbst unter uns ist. Er wirkt hier selbst und ebenso sein damaliges Leben, Sterben und Auferstehen.

Daher ist das Feiern der Messe das Zentrum der Kirche. Durch die Eucharistie entsteht Kirche erst in ihrem Vollsinn. Wir feiern tiefste Einheit mit dem auferstandenen Herrn, der uns zu dieser Feier selbst einlädt. Daher ist es auch ein besonderes Sakrament der Einheit. Eine Einheit mit ihm - aber auch in der Gemeinde. Wir kommunizieren untereinander, weil zuerst Gott uns zur Kommuni(kati)on mit ihm einlädt. Wir dürfen feiern: Er ist und bleibt unter uns gegenwärtig, verwandelt uns heute neu und schenkt sich uns selbst – heute, hier und jetzt. Er tut dies zugleich aber auch verbunden mit allen Menschen, die sich um Jesus versammeln – über Zeiten und Orte hinweg, hinüberreichend in das ewige Fest des Lebens in der ewigen Vollendung bei Gott.

(Pfarrer Gerald Gump)

08.09.2003


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