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- 11.03.10

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Kardinal Theodor Innitzer
Diözesanarchiv WienDer Wiener Erzbischof Theodor Kardinal Innitzer war einer der umstrittensten Kirchenfürsten Österreichs. 1940 gründete der Kardinal eine "Hilfsstelle für nicht arische Katholiken".

Theodor Innitzer wurde am 25. Dezember 1875 in Neugeschrei bei Weipert im heutigen Tschechien geboren. Nach der Pflichtschule war er zunächst Lehrling in einer Textilfabrik, konnte schließlich aber das Gymnasium in Kaaden besuchen, wo er 1898 die Matura ablegte. Anschließend studierte Innitzer in Wien Theologie, 1902 wurde er zum Priester geweiht.

Diözesanarchiv Wien
Theodor Innitzer war auch Rektor der Universität Wien.

Nach seiner Promotion im Jahr 1908 schlug er eine wissenschaftliche Karriere ein. 1913 übernahm er die Lehrkanzel für neutestamentliche Exegese. Von 1928 bis 1929 stand der Theologe der Universität Wien als Rektor vor. In dieser Zeit setzte er sich für eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen nationalen und jüdischen Studenten ein. Von 1913 bis 1932 war Innitzer außerdem Generalsekretär der Leo-Gesellschaft, die 1945 in der Wiener Katholischen Akademie aufging. Als Ziel gab der Erzbischof der Akademie vor, die Wissenschaft aus katholischer Sicht zeitaufgeschlossen zu pflegen, zu fördern und zu vermitteln.

Der Aufruf Innitzers, für einen Anschluss an das Deutsche Reich zu stimmen, wurde von den Nazis in ganz Deutschland propagandistisch ausgeschlachtet. Die Hoffnung des 1933 zum Kardinal Erhobenen, ein brauchbares Auskommen mit den Nationalsozialisten zu erlangen, ging aber nicht auf.

Diözesanarchiv Wien
1940 gründete der Kardinal eine "Hilfsstelle für nicht arische Katholiken".

Im Oktober 1938 kam es schließlich zu einer offenen Auseinandersetzung mit dem Regime. Rund 7.000 Jugendliche feierten am 7. Oktober im Wiener Stephansdom eine Rosenkranzandacht. Was nicht als eine "politische" Veranstaltung geplant war, wurde zu einer Demonstration des Zusammenhaltes innerhalb der katholischen Kirche - nachdem die NSDAP im März '38 alle katholischen Vereinigungen aufgelöst hatte. Am Ende des Gottesdienstes soll Innitzer spontan das Wort ergriffen und den Betenden zugerufen haben: "Nur einer ist euer Führer - Jesus Christus". Dadurch und auf Grund der Kundgebung der katholischen Jugendlichen am Stephansplatz fühlte sich die Hitlerjugend provoziert: Am nächsten Tag, dem 8. Oktober, stürmte sie das Erzbischöfliche Palais und steckte es in Brand.

Theodor Innitzer starb am 9. Oktober 1955 in Wien. Sein Nachfolger als Wiener Erzbischof wurde Kardinal Franz König.

(red/APA)

11.12.2002


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