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- 09.02.10

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Vor 75 Jahren wurde Theodor Innitzer zum Erzbischof ernannt
© Diözesanarchiv WienVor 75 Jahren, am 19. August 1932, wurde Theodor Innitzer von Papst Pius XI. zum Wiener Erzbischof ernannt. Im Mai 1933 wurde Innitzer zum Kardinal kreiert. Einer seiner größten Verdienste war seine Hilfe für nichtarische Katholiken während des Nationalsozialismus.

Theodor Innitzer geboren am 25. Dezember 1875 wurde am 25. Juli 1902 zu Priester geweiht. 1913 übernahm er die Lehrkanzel für neutestamentliche Exegese an der Wiener Katholisch-theologischen Universität. 1928/1929 war er Rektor der Universität Wien, der einzige Rektor jener Zeitspanne, der die jüdischen Studenten aktiv gegen den deutschnationalen Terror der "scharf schlagenden Verbindungen" schützte. 1929/1930 gehörte er als Sozialminister dem Kabinett von Bundeskanzler Johann Schober an. Im August 1932 wurde er schließlich von Papst Pius XI. zum Wiener Erzbischof ernannt und im Mai 1933 zum Kardinal kreiert.

Die Illusion des Ausgleichs

© Diözesanarchiv Wien
1940 gründete Kardinal Innitzer eine "Hilfsstelle für nichtarische Katholiken" im Erzbischöflichen Palais in Wien.

Nicht nur Innitzer, sondern der gesamte österreichische Episkopat standen der autoritären Umgestaltung der Republik in einen "Ständestaat" durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß insgesamt wohlwollend gegenüber. Viele meinten, die Idee der "berufsständischen Ordnung" könne sich auf die päpstliche Sozialenzyklika "Quadragesimo anno" (1931) berufen. Dollfuß hatte zudem noch in der vorautoritären parlamentarischen Zeit mit dem Heiligen Stuhl das österreichische Konkordat ausverhandelt, was ihm beim Episkopat Gutpunkte einbrachte.

Nach dem "Anschluss" und dem deutschen Einmarsch hegte Innitzer zunächst die Illusion, dass es möglich sein werde, zu einem "Ausgleich" mit dem NS-Regime zu kommen. Am 15. März 1938 stattete der Kardinal Hitler einen Höflichkeitsbesuch ab. Wenige Tage später unterzeichneten Innitzer und der Episkopat eine "Feierliche Erklärung", in der die Bischöfe die "Verdienste" der NS-Politik würdigten. Den Österreichern wurde zur "nationalen Pflicht" gemacht, bei der anstehenden Volksabstimmung für den "Anschluss" zu votieren.

"Nur einer ist euer Führer: Christus"

© Rupprecht@kathbild.at
Vor 75 Jahren wurde Theodor Innitzer zum Wiener Erzbischof ernannt.

Die Hoffnung auf einen "Ausgleich" erfüllte sich nicht; die NS-deutschen Behörden erklärten, dass Österreich - wie ebenso bereits zuvor das Saarland - ein "konkordatsfreier Raum" sei, weil das deutsche Reichskonkordat nur für das "Deutsche Reich" in den Grenzen von 1933 Geltung habe. Alle katholischen Organisationen wurden aufgelöst, ein Großteil des kirchlichen Eigentums wurde beschlagnahmt, führende katholische Funktionäre verhaftet.

Die Situation eskalierte nach der Rosenkranz-Feier der jungen Katholiken im Stephansdom am 7. Oktober 1938. Mit mehr als 7.000 Teilnehmern war die Feier die größte Manifestation des geistigen Widerstands gegen das NS-Regime im ganzen so genannten "Großdeutschen Reich". Die Wiener NS-Funktionäre schäumten, als die jungen Katholiken bewusst die Lieblingsparolen der Nationalsozialisten parodierten: "Lieber Bischof, sei so nett, zeige dich am Fensterbrett". Aber auch Kardinal Innitzer hatte im Dom unmissverständlich gesagt: "Nur einer ist euer Führer: Christus". Am darauf folgenden 8. Oktober stürmten HJ- und SA-Trupps das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus. Kardinal Innitzer konnte im letzten Moment in Sicherheit gebracht werden, das Palais wurde total verwüstet.

"Hilfsstelle für nichtarische Katholiken"

© Rupprecht@kathbild.at
Das Bild im Konsistorialsaal des Palais trägt heute noch die Spuren der Zerstörung.

Ein großes Verdienst Innitzers war die Einrichtung der "Hilfsstelle für nichtarische Katholiken". Sie kümmerte sich zunächst um die vielen Wiener Katholiken jüdischer Herkunft, die plötzlich völlig entrechtet waren, später aber auch um jüdische Menschen unterschiedlicher Konfession. Der "Stall" im dritten Hof des Erzbischöflichen Palais war für viele Katholiken jüdischer Herkunft in den düsteren Jahren des Zweiten Weltkriegs der einzige Ort in Wien, an dem sie frei atmen konnten. Als ab September 1941 viele Menschen, die den "Judenstern" tragen mussten, Hilfe suchend im Erzbischöflichen Palais ein- und ausgingen, mehrten sich die "kritischen Stimmen", die eine Verlegung der Hilfsstelle wünschten. Doch der Kardinal entgegnete stets: "Die Hilfsstelle bleibt, und wenn sie mir nochmals das Palais stürmen und zerstören, will ich das gerne auf mich nehmen". Gertrud Steinitz-Metzler, eine der Mitarbeiterinnen der "Hilfsstelle", hat diesem Werk christlicher Nächstenliebe in ihrem Buch "Heimführen will ich euch von überall her" ein bewegendes Denkmal gesetzt.

Ab 1945 standen für Innitzer die praktischen Fragen des Überlebens und des Wiederaufbaus im Zentrum. Kardinal Innitzer starb am 9. Oktober 1955 in Wien und wurde unter großer Teilnahme der Bevölkerung im Stephansdom beigesetzt.

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Kardinal Theodor Innitzer

(red/PEW)

17.08.2007


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