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- 06.09.10

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Den "Stiefkindern des Arbeitsmarktes" bessere Chancen geben
© Die Zahl jener Menschen, die in Österreich die professionelle Hilfe von sozialen Diensten in Anspruch nehmen, weil sie sonst mit ihrer finanziellen oder gesundheitlichen Situation nicht mehr zu Rande kommen würden, steigt nach einer Studie der Armutskonferenz.

Die Autorinnen der gemeinsamen Studie der Armutskonferenz und der Wirtschaftuniversität Wien haben hunderte Sozialorganisationen im ganzen Land über ihre Aktivitäten befragt, sowie darüber, wo derzeit die größten Lücken in der Versorgung benachteiligter Menschen bestehen.

500.000 Hilfe suchende Österreicher

An die 500.000 Österreicher haben sich 2005 an eine Sozialorganisation um Hilfe gewandt. Die Palette der beanspruchten Angebote reichte dabei von Sozialberatung durch die Caritas über das Aufsuchen einer Notschlafstelle oder einer Schuldnerberatung bis zum Gang in ein Frauenhaus. Durchschnittlich zehn Monate wurden die einzelnen Klienten betreut. Diese Zahlen präsentierte die Armutskonferenz anlässlich des UNO-Tages gegen Armut am 17. Oktober 2006. In diesem Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung arbeiten namhafte Nichtregierungsorganisationen wie Caritas, Diakonie und Volkshilfe sowie viele andere mehr zusammen.

"Stiefkinder des Arbeitsmarktes"

© Paul
Ein "zweiter Arbeitsmarkt" müsse geschaffen werden, so Wallner.

Verbesserungsbedarf orten die Sozialexperten vor allem in zwei Bereichen. Auf dem Arbeitsmarkt bestehe für viele Menschen die Gefahr, dauerhaft aus dem System herauszufallen, meint Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner. Diese "Stiefkinder des Arbeitsmarktes" sind Personen, die sehr lange arbeitslos sind, über geringe Qualifikationen verfügen und physisch und psychisch nicht voll belastet werden können. Hier brauche es individuelle und unorthodoxe Zugänge, fordert Wallner. Als Ziel soll ein so genannter "zweiter Arbeitsmarkt" für jene geschaffen werden, die beim Tempo und bei den Ansprüchen des "ersten Arbeitsmarktes" nicht mithalten können.

Handlungsbedarf bei Gesundheitsversorgung

© Paul
Schenk: "100.000 Menschen in Österreich nicht krankenversichert".

Handlungsbedarf sehen die Fachleute der sozialen Dienste auch beim Thema Gesundheitsversorgung. 20.000 bis 30.000 Sozialhilfebezieher hätten noch immer keine E-Card, bemängelt Martin Schenk von der Diakonie. 100.000 Menschen seien in Österreich nicht krankenversichert. Grundsätzlich zeigt sich, dass arme Menschen einem doppelt so hohen Krankheitsrisiko ausgesetzt sind wie gesunde. Ein Tabu sind oft noch immer seelische Erkrankungen. Menschen in psychischen Krisen laufen eher als andere Gefahr, armutsbedingt in die Krankheit zu rutschen oder krankheitsbedingt in die Armut. Eine Kernforderung der Armutskonferenz besteht denn auch im Ausbau der psychosozialen Dienste, wo vor allem im ländlichen Bereich noch immer große Lücken existieren.

Zu den armutsgefährdeten Personen zählen nach der neuen Studie neben chronisch Kranken insbesondere Zuwanderer beziehungsweise deren Nachkommen, Menschen mit einem geringen Erwerbseinkommen und kinderreiche Familien. 60 Prozent der Hilfesuchenden verfügen über kein Einkommen aus eigener Arbeit. Vom Staat erwarten sich die Hilfsorganisationen eine stärkere finanzielle Unterstützung, mehr Anonymität in den Beratungsstellen. Ideal wäre eine Zusammenlegung von Arbeitsmarktservice-Stellen und Sozialämtern.

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