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- 02.09.10

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"Der Mensch ist aus und zur Liebe geschaffen"
© Stephanscom.atDie heilige Caterina von Siena gilt als eine der großen Persönlichkeiten der katholischen Kirche. Eine Vortragsreihe begibt sich auf die Spuren der Mystikerin.

Ab 14. Juni 2006 startet eine Vortragsreihe im Wiener Dominikanerkonvent, die Interessierten eine Einführung in das Leben und die Spiritualität der Caterina von Siena gibt.

"Ich bin in meinem Noviziat auf sie gestoßen und empfand sie als faszinierende Gestalt, die uns noch immer was zu sagen hat und deren Spiritualität so tief gehend ist, dass sie auch heute noch Menschen helfen kann, zu Gott zu finden", erklärt Frater Thomas Gabriel Brogl OP die Idee für eine Vortragsreihe über die große Heilige. Die Vorträge finden jeweils mittwochs um 19.30 Uhr im Dominikanerkonvent in der Postgasse im ersten Bezirk statt.

"Aus dem Stoff der Liebe"

Der erste Vortrag wird sich mit dem Leben der Heiligen befassen. Im zweiten und dritten Vortrag wird ihre Spiritualität näher beleuchtet. Dabei stehen verschiedene Themen, die Caterina besonders wichtig waren, im Mittelpunkt: Was ist der Mensch? Die Heilige antwortet darauf: "Aus Liebe und zur Liebe geschaffen. Er ist aus dem Stoff der Liebe." Weiters wird versucht Antworten auf die Fragen: Wie arbeitet Gott mit der Vorsehung? Wie versucht er den Menschen zu führen? Was bedeutet das Leid im Leben? Was bedeutet Versuchung oder Anfechtung? zu finden.

Ein Leben für die Kirche

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Caterina hat eine Vision: Christus nimmt ihr Herz aus der Brust, um ihr sein eigenes einzusetzen.

Caterina von Siena wurde 1347 als Tochter eines Wollfärbers in einer Zeit, die von Veränderung, Umbruch und Pestepidemien geprägt war, geboren. Caterina musste anfangs sehr um ihre Berufung kämpfen: "Es war klar, Kloster ist nicht das Richtige für sie, aber auch die Ehe nicht. Sie musste also einen Mittelweg finden. Sie hat dann ihren Weg in einer Laiengemeinschaft der Dominikaner gefunden", erklärt der Dominikanerfrater Thomas Brogl im Gespräch mit Radio Stephansdom. Caterina von Siena hat in ihrem Leben immer für die Einheit der Kirche und für Reformen gekämpft. Sie wollte, dass sich die Kirche wieder auf ihre eigentlichen Wurzeln, nämlich den Menschen auf den Weg zu Gott zu führen, besinnt.

Kirche in Schwierigkeiten

Die Kirche im 14. Jahrhundert befand sich in der Krise. Der Papst residierte in Avignon, nicht mehr in Rom. Man sprach von der "babylonischen Gefangenschaft" des Papstes, der politisch von Frankreich abhängig war. Caterina scheute nicht zurück, die Missstände in der Kirche aufzuzeigen: "Faszinierend bei ihr ist, dass sie nicht sagt, in der Kirche ist alles gut. Sie deckt die Fehler ganz klar auf. Sie hat aber eine enorme Liebe zur Kirche und möchte mithelfen, dass die Kirche wieder den Weg zu sich selber, praktisch zu Gott findet", erzählt Frater Thomas.

Sie hat wesentlich mitgewirkt, dass Papst Gregor XI. wieder nach Rom zurückkehrte. Kurz danach kam es zum so genannten Abendländischen Schisma, einer zeitweiligen Kirchenspaltung der katholischen Kirche. Es gab zwei Päpste: einen in Rom (Urban VI.) und einen in Avignon (Clemens VII.). Die Schwierigkeiten der Kirche raubten Caterinas letzte Kräfte: "Ich sterbe für die Kirche. Ich gebe mein Leben für die Kirche", so ihre Worte. Im Frühjahr 1380 starb sie in Rom.

Vorbild für den Menschen von heute

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Von der heiligen Caterina könne man sehr viel lernen, so Frater Thomas Brogl.

Caterina war sehr viel unterwegs und mit sehr vielen Menschen in Kontakt. Eines aber war wichtig, dass sich der Mensch im Getriebe des Alltags eine innere Zelle im Herzen, "Zelle der Selbterkenntnis", schafft, die ständig in Kontakt mit Gott bleibt. "Ich denke, dass dies eine sehr moderne Botschaft ist, eine Botschaft, die immer noch wahnsinnig wichtig ist, weil wir sehr vielen Einflüssen ausgesetzt sind", erklärt Frater Thomas die mögliche Vorbildwirkung der Heiligen für den heutigen Menschen. "Es gibt viele Punkte, wo sie einfach die Dinge auf den Punkt gebracht hat, wo sie uns erinnern kann, wie wir eigentlich erfüllt und glücklich vor Gott leben können." Der Mensch aus Liebe geschaffen, aus dem Stoff der Liebe, sehne sich im Tiefsten nach der Liebe und nichts anderem.

Schutzpatronin Europas

Caterina von Siena war sehr viel als Friedensstifterin unterwegs, sie reiste nach Avignon und durch Italien. "Sie hat versucht, dass Europa sich auf die christlichen Wurzeln zurückbesinnt, dass es, wie sie sagt, geeint ist unter dem Kreuz. Sie war der festen Überzeugung - ihre Zeit war sehr geprägt von Kriegen zwischen den italienischen Städten, zwischen den Städten und dem Papst - dass allein die Botschaft Christi einen wirklichen tiefen Frieden bringen kann", betont Frater Thomas. Das sei ein Grund dafür gewesen, dass sie gemeinsam mit Birgitta von Schweden und Edith Stein 1999 von Papst Johannes Paul II. zur Mitpatronin Europas erklärt wurde. "Gerade in der Frage der Europäischen Verfassung, was soll in der Präambel stehen, soll der Gottesbezug oder der Bezug auf die christlichen Wurzeln stehen, kann Caterina von Siena eine tieferen Zugang geben, was Europa wirklich zusammenhält. Die Werte, die wie leben, die Menschenrechte, die demokratischen Werte sind zutiefst auch im christlichen Weltbild verankert", erklärt Frater Thomas die Bedeutung der Heiligen für das heutige Europa.

Termintipp:

Die Mystikerin Caterina von Siena
Ihr Leben, ihre Spiritualität


Dreiteilige Vortragsreihe mit Frater Thomas Gabriel Brogl OP
14.,  21. und  28. Juni 2006, jeweils 19.30 Uhr
Dominikanerkonvent, Petrus-Hutner-Saal
Postgasse 4
1010 Wien

(ml)

13.06.2006


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